Aktuelles Thema aus CHAZ 10/2022
Die ESG sollte nach ihren MERITen beurteilt werden
Christine Stier
In der Fachzeitschrift Lancet stellen Barham K. Abu Dayyeh und Kollegen die Ergebnisse ihrer jüngsten Studie (MERIT) vor, in der die Wirksamkeit und Sicherheit der endoskopischen Sleeve-Gastroplastik (ESG) zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Adipositas (Grad I und II) untersucht wurde [2]. Abu Dayyeh selbst beschrieb die ESG erstmals 2013 als neuartige transorale Magenplikationsmethode. Die anfängliche Technik basierte hauptsächlich auf einer Volumenreduktion, die durch die Apposition der vorderen und hinteren Magenwand mittels separater unterbrochener Nähte erreicht wurde. Mit der globalen Verbreitung der ESG als intraluminale bariatrische Intervention, durch die das Verständnis der zugrundeliegenden Physiologie zunahm, erfolgten technische Anpassungen.
Die MERIT-Studie startete im Dezember 2017 als randomisierte, kontrollierte Studie
Die ESG induziert eine Gewichtsabnahme durch ein früh eintretendes Sättigungsgefühl; neben der Volumen- und Längenreduktion des Magens scheint die verzögerte Magenentleerung eine entscheidende Rolle zu spielen [3]. Die MERIT-Studie startete im Dezember 2017 als randomisierte, kontrollierte Studie (RCT). Zur ESG waren zu diesem Zeitpunkt 40 Volltextartikel verfügbar, darunter Kohortenstudien und multizentrische Studien mit mehr als 200 Teilnehmern. Die Nachbeobachtungszeit wurde mit bis zu zwei Jahren beschrieben. Alle Arbeiten bestätigten, dass die ESG innerhalb dieses Zeitraums wirksam und sicher ist.
Das POSE®-1-Verfahren (Primary Obesity Endoluminal Surgery) – ein weiteres intraluminales Nahtverfahren – hatte sich zwar in mehreren nicht-kontrollierten Studien als wirksam erwiesen, konnte diese Erwartungen hinsichtlich eines klinisch relevanten Gewichtsverlusts allerdings in einer gut konzipierten, multizentrischen und Sham-kontrollierten Studie nicht erfüllen. Zukünftigen Ergebnisse für das in der Nahtapplikationsform deutlich modifizierte POSE®-2-Verfahren werden indes mit großem Interesse erwartet.

Abbildung 1_Schematische Darstellung der endoskopischen Sleeve-Gastroplastik (© Dr Levent Efe, Leihgabe IFSO).
Im Gegensatz zum POSE-1-Verfahren, bei dem das Fundusvolumen durch Nähte reduziert wurde, wird bei der ESG entlang des Magenkorpus genäht, um so eine pouchartige Funktion des Fundus zu kreieren, die letztlich mit dazu beiträgt die Magenentleerung zu verzögern. Obwohl beides endoluminale Nahtverfahren sind, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Konzeption und Physiologie, und vor allem in den erzielten Ergebnissen. Hintergrund ist möglicherweise ein derzeit noch unvollständiges Verständnis der pathophysiologischen Mechanismen beim POSE-1-Verfahren.
