Bronchialkarzinom in der Atemluft detektierbar

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben einen neuen Test zur Früherkennung von Lungenkrebs entwickelt. Das Verfahren basiert auf einer Messung der Zusammensetzung der Atemluft. Bronchialkarzinome bleiben häufig lange Zeit unbemerkt, da die Krankheit oftmals schleichend und beschwerdefrei beginnt. Während in den USA Hochrisikogruppen wie starke Raucher routinemäßig mithilfe einer Computertomografie auf Bronchialkarzinome untersucht werden, wird dies in Deutschland aus Kostengründen und wegen der mangelnden Präzision dieser Untersuchung nicht routinemäßig durchgeführt. 

Der neu entwickelte Test überprüft die Atemluft auf abweichende RNA-Muster 
Fast alle Zellen enthalten in ihrem Zellkern die komplette Erbinformation des Menschen in Form von Desoxyribonukleinsäure (DNA). Je nach Zelltyp werden jedoch andere Bereiche der DNA abgelesen und in Form von Ribonukleinsäure (RNA) kopiert und anschließend meist in Proteine umgesetzt. Es entsteht daher je nach Zelltyp ein spezifisches RNA-Muster – Tumorzellen zeigen ein abweichendes RNA-Muster. Der neuentwickelte Test macht sich dies zunutze, indem er die Atemluft auf abweichende Muster überprüft. Hierfür wird den Patienten Atemluft entnommen und kondensiert. Da RNA extrem schnell durch spezielle, praktisch überall vorkommende Enzyme (RNAsen) abgebaut wird, ist es nötig die Proben direkt nach Entnahme bei –80?°C bis zur weiteren Untersuchung zu lagern. Anschließend werden die Proben in einer RNAse-freien Umgebung im Labor auf Spuren von RNA-Molekülen untersucht. In gesunden Zellen liegen bestimmte RNA-Moleküle in einem anderen Verhältnis vor als in entarteten: So ähneln die entarteten Tumorzellen der Lunge in ihrer RNA-Ausstattung den Lungenzellen im Embryonalstadium.
Bei ihren Versuchen untersuchten die Wissenschaftler 138 Probanden mit bekanntem Gesundheitszustand. Sie identifizierten mit Hilfe der neuen Methode 98 Prozent dieser Testpersonen als Patienten mit Bronchialkarzinom. Bei 90 Prozent der detektierten Patienten war das Testergebnis richtig und es lag tatsächlich ein Bronchialkarzinom vor. „Die Atemluft-Analyse könnte die Erkennung von Lungenkrebs in frühen Stadien einfacher und zuverlässiger machen, sie wird die herkömmlichen Verfahren aber nicht völlig ersetzen können“, so Dr. Guillermo Barreto, Arbeitsgruppenleiter am Bad Nauheimer MPI. „Er kann jedoch ergänzend eingesetzt werden, um frühe Krebsstadien besser zu erkennen und die falsch-positiven Diagnosen zu reduzieren.“ Im nächsten Schritt werden zur Bestätigung des positiven Ergebnisses umfangreiche klinische Studien nötig und der Atemlufttest muss zur Marktreife weiterentwickelt werden. Längerfristig ist geplant, die RNA-Profile auch zur Früherkennung anderer Erkrankungen zu nutzen. BR