CME-Fortbildung aus CHAZ 11+12/2020

Ingo Ludolph, Andreas Arkudas, Raymund E. Horch

Möglichkeiten der Reanimation des gelähmten Gesichtes

Gesichtsnervenlähmungen sind für betroffene Patienten häufig sehr belastend, da die hiermit einhergehenden funktionellen und ästhetischen Beeinträchtigungen nicht zu verbergen sind. Maßgeblich für die Motorik des Gesichtes ist der Nervus facialis, dessen Parese die häufigste Hirnnervenerkrankung darstellt. Traumatische, iatrogene, durch neoplastische oder infektiöse Erkrankungen bedingte Pathologien sind nicht selten, allerdings ist die idiopathische Form – die sogenannte Bell-Parese – mit 60 bis 75 Prozent der Fälle die häufigste Ursache für periphere Fazialisparesen. Je nach Krankheitsursache kann eine frühzeitige Behandlung die Prognose verbessern. Allgemein sind Kenntnisse über Diagnostik und Therapiemöglichkeiten aufgrund der relativen Seltenheit der Erkrankung vergleichsweise wenig verbreitet und dementsprechend variabel. Nachdem sich die sekundären Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessert haben, jedoch wegen der speziellen Operationsmethoden zwangsläufig nicht allgemein bekannt sind, gibt der folgende Beitrag einen kurzen Überblick über die aktuellen Methoden der Gesichtsreanimation.

Abbildung 2_Typische klinische Merkmale im Rahmen einer Fazialisparese.

 

Der gestörte Lidschluss mit konsekutiver Austrocknung der Netzhaut kann die Sehfähigkeit beeinträchtigen

Nach dem Ursprung des N. facialis (VII. Hirnnerv) aus dem Hirnstamm, verläuft er durch das Felsenbein und im weiteren intrazerebralen Verlauf bis zu seinem Austritt aus dem knöchernen Schädel am Foramen stylomastoideum. Im Verlauf durch die Parotis teilt er sich schließlich in fünf periphere Hauptäste auf (Abb. 1). Die temporalen Äste versorgen die Stirnmuskulatur. Die zygomatischen und bukkalen Äste versorgen die mimische Muskulatur im Bereich des Auges und der Wangen-/Mundregion, der Ramus marginalis mandibulae ebenfalls Teile der perioralen mimischen Muskulatur und der Ramus colli das Platysma.
Unzweifelhaft stellen Defizite in der mimischen Gesichtsmuskulatur nicht nur funktionelle, sondern auch ästhetische Beeinträchtigungen dar. Sie können psychologisch verheerende Auswirkungen haben, zu einer Depression und zur sozialen Isolation führen. Auf der funktionellen Seite kann der gestörte Lidschluss mit konsekutiver Austrocknung der Netzhaut die Sehfähigkeit beeinträchtigen. Die Lähmung der Mittelgesichtsmuskulatur kann die nasale Atmung stören. Ebenso ist ein Ausfall der unteren Gesichtsmuskulatur mit Defiziten in der Sprache und der sogenannten oralen Kompetenz verbunden [1].
Um die Möglichkeiten einer therapeutischen Verbesserung und die Einstufung der sinnvollen Behandlungsmaßnahmen abzuschätzen, ist es zunächst einmal relevant, die Ätiologie der Verletzung zu klären. Bei der Untersuchung ist dann das Assessment der Bewegung von oberem, mittlerem und unterem Gesichtsdrittel unabhängig voneinander vorzunehmen. Die klinischen Merkmale der peripheren Fazialisparese lassen sich dabei im Einzelnen wie folgt untersuchen: Im oberen Gesichtsdrittel führt eine verminderte Innervation der Stirn zu einer Veränderung der Augenbrauenposition. Hierbei kann die Ptosis der betroffenen Augenbraue sogar bis zu einer Beeinträchtigung des Sehfeldes führen. Am Auge selbst ist das sogenannte Bell’sche Phänomen zu untersuchen sowie der Tränenfluss. Der verminderte Lidschluss mit Lagophthalmus und herabgesetztem Tonus des Unterlids sowie eine Beeinträchtigung der Sehfähigkeit und der Hornhautintegrität sind weitere zu untersuchende Symptome.

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