CME-Fortbildung aus CHAZ 9-2017

Alexander Franz, Marc-Daniel Kunze, Michael Sauerbier

Der »Wide-Awake-Approach« in der Handchirurgie

Die „Wide-Awake“-Handchirurgie (kurz: WALANT-Handchirurgie: wide-awake, local anesthesia, no tourniquet) erlaubt eine lokale Anästhesie mit niedrig dosiertem Adrenalin für ein blutarmes Operationsgebiet ohne die Notwendigkeit einer Blutsperre an Ober- oder Unterarm. Beim Einsatz eines Lokalanästhetikums in der Handchirurgie galt es lange Zeit als obsolet, ein Präparat mit Adrenalinzusatz zu verwenden. Die Angst vor Komplikationen, insbesondere vor Gewebenekrosen, findet sich bisweilen auch noch in der neueren Literatur und ist oft noch Gegenstand der aktuellen Lehrmeinung in der Ausbildung des chirurgischen Nachwuchses [1–3]. Erst seit der Jahrtausendwende findet sich eine gute Evidenz für die sichere Anwendung von Lokalanästhetika mit hochverdünntem Adrenalinzusatz. Insbesondere der multizentrischen Untersuchung von Lalonde und Mitarbeitern aus dem Jahr 2005 mit der Analyse von 3110 Anwendungen eines Lokalanästhetikums mit Adrenalin an Hand und Fingern – ohne Nachweis einer einzigen Gewebenekrose – ist es zu verdanken, dass die weltweite Anwendung der „Wide-Awake“-Handchirurgie (WALANT), stetig zunahm [4]. Auch in Europa und in Deutschland hat sich dieses Anästhesieverfahren in den letzten zehn Jahren durch zahlreiche Arbeiten zunehmend etabliert [5, 6, 15].

Der Patient verbringt für den Eingriff effektiv weniger Zeit im Krankenhaus und kann bereits während der OP mit dem Chirurgen kommunizieren

Insbesondere bei ambulanten Operationen zeigen sich Vorteile der WALANT-Chirurgie: Zum einen führen die fehlende Blutsperrenmanschette und die alleinige Anwendung eines Lokalanästhetikums ohne zusätzliche Sedierung und Allgemeinanästhesie zu einem gesteigerten Patientenkomfort sowie einer besseren Compliance während der Eingriffsdauer. Zum anderen wird das Verfahren auch unter dem Gesichtspunkt der Kosteneffizienz bei gleichzeitig höchster Patientensicherheit geschätzt, da bei effizienter Planung im Vergleich zur Operation mit konventionellen Anästhesieverfahren sowohl die Eingriffsdauer als auch die Wechselzeiten zwischen den Operationen verkürzt werden können [6]. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Handchirurgie, wo aufgrund der knapp kalkulierten Erlöse immer die Gefahr eines negativen Deckungsbetrages besteht. Die präoperative Vorstellung beim Anästhesisten zur Erörterung der Komorbiditäten entfällt in vergleichbarer Weise wie bei der bereits millionenfach erfolgten komplikationsfreien Anwendung von Lokalanästhestika, etwa beim Zahnarzt. Der Patient verbringt für den handchirurgischen Eingriff effektiv weniger Zeit im Krankenhaus oder in der Praxis und kann bereits während der Operation mit dem Chirurgen kommunizieren.

Abbildung 1_Beispiel nach „Wide-Awake-Anästhesie“ bei Verletzung der Sehne des M. extensor pollicis longus (Zone T2).

Dieser Kommunikationsbund zwischen dem nichtsedierten Patienten und dem Operateur hat viele Vorteile, so können zum Beispiel mögliche Verhaltensmaßregeln oder das postoperativen Prozedere bereits während des Eingriffs besprochen werden [14]. Dies spart zusätzlich Zeit und lenkt gerade ängstliche Patienten während der Prozedur ab, was für ihn subjektiv die Zeit verkürzt. Einfach ausgedrückt kann der Patient während der Operation mit dem Chirurgen alles besprechen und kann nach dem Eingriff aufstehen und nach Hause gehen, ähnlich wie nach einem Zahnarztbesuch.

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