Fortbildung aus CHAZ 1-2018
Christian Konrads, Kilian Rückl, Thomas Barthel, Maximilian Rudert, Piet Plumhoff
Arthroskopische Schulterstabilisierung mit Fadenankern unter Verwendung der Lasso-loop-Technik
Die beschriebene Operationstechnik stellt eine Modifikation der arthroskopischen Bankart-Operation dar. Sie behebt häufig vorkommende antero-inferiore Schulterinstabilitäten durch eine Refixation des anterioren Labrum-Kapsel-Band-Komplexes am Glenoid. Dies soll eine Stabilisierung des Schultergelenks bewirken und weitere Schulterluxationen sowie potentiell damit vergesellschaftete Begleitpathologien verhindern.
Nach traumatischer Schulter-Erstluxation ist bei konservativer Therapie das Reluxationsrisiko bei Patienten unter 35 Jahren sehr hoch. Mit dem Alter sinkt das Reluxationsrisiko unter konservativer Therapie. Durch eine offene oder arthroskopische Stabilisierung lässt sich das Reluxationsrisiko ganz erheblich senken [1]. Die vordere Schulterstabilisierung erfolgt heutzutage vorrangig arthroskopisch durch Refixation des Labrum-Kapsel-Ligament-Komplexes mit Fadenankern, wenn kein die Stabilität einschränkender knöcherner Glenoiddefekt vorliegt [1, 2]. Dabei kann der von Lafosse et al. beschriebene „Lasso-loop-stitch“ zur Anwendung kommen [4–7]. Dies ermöglicht eine gelenkferne Knotenpositionierung und Schaffung eines angestrebten Labrumwulstes. Operationsprinzip und -ziel sind die Refixation des anterioren Labrum-Kapsel-Band-Komplexes am Glenoid mit gelenkferner Knotenpositionierung und Aufwulsten des Labrums. Damit soll es zu einer Stabilisierung des Schultergelenks kommen und weitere Luxationen werden verhindert.
Vorteile der geschilderten Operationstechnik sind u. a. eine anatomiegerechte Rekonstruktion des Labrum-Kapsel-Band-Komplexes. Eine gleichzeitige Adressierung von SLAP-Läsionen (Superior Labrum Anterior to Posterior) und Rotatorenmanschetten(partial)-Läsionen ist möglich. Die Operationstechnik führt im Gegensatz zum offenen Vorgehen zu keiner Beeinträchtigung des M. subscapularis oder dessen Ansatz.
Mögliche Nachteile des Lasso-loop-Stitches im Vergleich zu arthroskopischen Einzelknopf- oder Matratzennähten sind eine relativ anspruchsvolle Technik, ein leicht erhöhter zeitlicher Aufwand und dass kein Rutschknoten möglich ist.

Abbildung 1_MRT der rechten Schulter eines 20-jährigen Handballspielers nach traumatischer antero-inferiorer Schulter-Erstluxation. Der transversale Schnitt zeigt eine klassische Bankart-Läsion (roter Pfeil) und eine typische, in diesem Fall biomechanisch nicht relevante Hill-Sachs-Delle (grüner Pfeil).
Für welche Patienten diese Operation geeignet ist
Indikationen für diese Operation sind Schulterinstabilitäten mit rekonstruierbarem Labrumschaden, so etwa Bankart-Läsionen (benannt nach dem englischen Chirurgen Arthur S.B. Bankart, 1879–1951), knöcherne Bankart-Läsionen, ALPSA, Perthes-Läsionen und reversed (hintere) Bankart-Läsionen sowie Verletzungen des Bizepssehnen-Ankers (SLAP). Kontraindikationen sind willkürliche Schulterluxationen im Wachstumsalter ohne Labrumschaden und chronische knöcherne Glenoiddefekte >20 Prozent der Gelenkfläche. Ein humeraler Abriss von glenohumeralen Bändern (HAGL-Läsion) erfordert eine humerale Refixation.
Die Patientenaufklärung soll neben allgemeinen Operationsrisiken folgende Punkte beinhalten: Knorpelschaden, Läsion des N. axillaris, Fadenriss, Umstieg auf ein offenes Verfahren bei größeren knöchernen Defekten, Nachbehandlung nach Schema, Bewegungseinschränkung (insbesondere Außenrotationsdefizit), Reluxation, Dislokation von Ankern, Osteolysen bei resorbierbaren Ankern, posttraumatische Arthrose, Schmerz, Krankenhausaufenthalt ein bis zwei Tage, ambulante OP möglich, Arbeitsunfähigkeit je nach Beruf und Armdominanz zwei Tage bis 16 Wochen.
