Fortbildung aus CHAZ 11+12/2020

Sigrid Clauberg, Tanja Artelt

Was liegt auf/in der (chirurgischen) Hand?
Evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention postoperativer Wundinfektionen

Postoperative Wundinfektionen (surgical site infections/SSI) gehören zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. In der nationalen Punkt-Prävalenzerhebung 2016 betrug der Anteil der Patienten mit nosokomialen Infektionen 4,6 Prozent, davon waren 22,4 Prozent postoperative Wundinfektionen [1]. Die WHO gibt in ihrem Report on the burden of endemic health care-associated infection worldwide von 2011 weltweit für Länder mit hohem Einkommen auf der Basis verschiedener Studien eine Frequenz der SSI zwischen 1,2 und 5,2 Prozent an [2]. Dementsprechend ist die SSI-Prävention nach wie vor Thema nationaler und internationaler Leitlinien und Empfehlungen. Im vorliegenden Beitrag werden verschiedene Guidelines nach ihren Empfehlungen zu Punkten mit vorzugsweise direktem Bezug auf die chirurgische Tätigkeit im Operationssaal und dem perioperativen Prozedere betrachtet und verglichen. Eine vollständige Abbildung der Empfehlungen soll dabei nicht erreicht werden. Insbesondere weitere, in den Guidelines besprochene Aspekte der SSI-Präven­tion, wie bauliche Aspekte, Surveillance und auch allgemeines hygienegerechtes Verhalten, werden an dieser Stelle nicht weiter thematisiert. Auch Themen, die im OP-Saal klassischerweise nicht primär in chirurgischer Hand sind, wie etwa die Vermeidung einer akzidentellen Hypothermie, werden nicht berücksichtigt.

Die Empfehlungskategorisierung in den verschiedenen Guidelines variiert in ihrer Gewichtung von Empfehlungsstärke und Evidenzqualität

Folgende Stellungnahmen werden hinsichtlich ihrer Aussagen zu den einzelnen Themen mit direktem Bezug zur chirurgischen Tätigkeit im OP oder damit zusammenhängenden perioperativen Maßnahmen herangezogen:

  • Empfehlungen zur Prävention postoperativer Wundinfektionen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut, 2018 [3].
  • World Health Organization (WHO) Global guidelines for the prevention of surgical site infection, 2018 [4].
  • Society of Healthcare Epidemiology of America/Infectious Diseases Society of America (SHEA/IDSA) Practice recommendation – strategies to prevent surgical site infections in acute care hospitals: 2014 update [5].
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC) Guideline for the prevention of surgical site infection, 2017 [6].
  • National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Guideline 125 – surgical site infections: prevention and treatment (UK, veröffentlicht am 11. April 2019) [7].

Die einzelnen Stellungnahmen sind häufig in zwei Teilen aufgebaut. In einem Erläuterungsteil werden die Themengebiete vorgestellt. Hier wird auf die den Empfehlungen zugrundeliegende Literatur und gegebenenfalls auf zuvor veröffentlichte Leitlinien anderer Gesellschaften Bezug genommen. In einem Empfehlungsteil finden sich meist konkrete Angaben zu Evidenz und Stärke der Empfehlung. Eine Übersicht gibt W Tabelle 1, im folgenden Text wird die entsprechende Empfehlungskategorie in Klammern angegeben. Die NICE-Guideline ist ein Sonderfall und spricht keine dezidierten Empfehlungskategorien aus, wird aber wegen ihrer kürzlich erfolgten Aktualisierung in diese Zusammenschau mit einbezogen. Die Empfehlungskategorisierung in den verschiedenen Guidelines variiert in ihrer Gewichtung von Empfehlungsstärke und Evidenzqualität. Inhaltlich werden meist allgemeine Maßnahmen der SSI-Prävention, die alle Patienten betreffen und bei denen zwischen den einzelnen Guidelines weitgehende Übereinstimmung herrscht, genannt. Andere Maßnahmen werden nur für bestimmte Patientengruppen übereinstimmend bewertet und empfohlen. Des Weiteren finden sich Maßnahmen, bei denen die Bewertungen in den Guidelines unterschiedlich ausfallen oder die (bei meist schwieriger Evidenzlage) nur vereinzelt thematisiert und konkret bewertet werden.

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