Fortbildung aus CHAZ 4-2017
Andrej Ring, George Udrescu, Pascal Kirchhoff, Lukas Wellkamp, Niklas Dellmann, Josef Stern
Superadipositas: Management einer gigantischen Fettschürze und Bauchwandhernie
Die Resektion eines abdominellen Weichgewebeüberschusses bei Adipösen optimiert die Pflegesituation und verbessert die Lebensqualität der Betroffenen. Die Fettschürzenresektion ist jedoch keineswegs eine harmlose kosmetische Prozedur. Die Komplikationsrate nach diesen Eingriffen beträgt bis zu 56 Prozent [1, 2]. Perioperative Beatmungsschwierigkeiten, massiver Blutverlust, metabolische Entgleisungen und „vorprogrammierte“ Wundheilungsstörungen gehören zu den Komplikationen einer „ästhetischen“ Weichgewebsreduktionen bei superadipösen Patienten, die zudem in der Regel ein weites Profil an Komorbiditäten aufweisen [3–5]. Daneben finden sich in dieser speziellen Patientenpopulation nicht selten zusätzliche Befunde, die neben der Fettschürzenresektion einen intraabdominellen Eingriff erfordern. Wir stellen hier das interdisziplinäre Management einer gigantischen Fettschürze und Bauchwandhernie bei morbider Adipositas vor.
Bei der klinischen Untersuchung fand sich eine monströse Bauchfettschürze, die bis auf Höhe der Kniegelenke reichte
Ein 67-jähriger Patient wurde mit einer progredienten Lymphabflussstörung der Bauchfettschürze (Panniculus morbidus) bei Superadipositas (BMI 62 kg/m2) vorgestellt. Eine sekundäre Lymphabflussstörung der Bauchdecke mit chronischem Lymphödem konnte bestätigt werden. Die Mobilität des Patienten war erheblich eingeschränkt. Subjektiv standen Rückenschmerzen im Vordergrund. Bei der klinischen Untersuchung fand sich eine monströse Bauchfettschürze, die bis auf Höhe der Kniegelenke reichte. Die Hautoberfläche über der herabhängenden mazerierten Partie wies multiple superinfizierte Läsionen auf (Abb. 1). Anamnestisch war sechs Jahre zuvor eine Appendektomie erfolgt, die einen komplizierten Wundheilungsverlauf nach sich zog. Seitdem habe der Patient 50 Kilogramm an Gewicht reduzieren können (Ausgangsgewicht: 209 kg). An Nebenerkrankungen bestanden Diabetes mellitus und Hypothyreose. Die durchgeführte Abdomen-CT-Untersuchung zeigte über der rechten Bauchwand eine 16 Zentimeter breite Bruchpforte mit hernierten Dünn- und Dickdarmschlingen (Abb. 2).
Die radikale Resektion der 19 Kilogramm schweren Fettschürze erlaubte einen übersichtlichen Zugang zum Bruchsack
Bei der präoperativen Planung wurden nachstehende wesentliche Problempunkte diskutiert und deren Lösung vorbereitet.
> Wie sollte der gigantischen Panniculus gelagert werden?
> Wie kann der intraoperative Blutverlust minimiert werden?
> Wie könnte die Operationszeit effektiv verkürzt werden?
> Welche Methode sollte für die Bauchdeckenrekonstruktion verwendet werden?
