Fortbildung aus CHAZ 4+5/2022
Erste Erfahrungen mit dem Versius Surgical System® in der Thoraxchirurgie
Sven Seifert, Khalid Mohsen, Alexander Ehricht, Mike Brandt, Marian Klenske
Seit der ersten Roboter-assistierten Operation mit dem Versius Surgical System® am Lungenkrebszentrum Chemnitz am 19. April 2021 haben wir bisher 65 Eingriffe durchgeführt. In jedem Fall wurden die Operationsziele erreicht. Alle Standardeingriffe der Thoraxchirurgie wie atypische Resektionen in allen Abschnitten, Metastasektomie, Lobektomie aller Lungenlappen sowie Thymusresektionen wurden erfolgreich durchgeführt und die technisch-operative Nutzbarkeit des Systems für die Thoraxchirurgie evaluiert. Im Ergebnis dieser ersten Erfahrungen kann festgestellt werden, dass dieses System sicher und exakt arbeitet sowie für die thoraxchirurgische Eingriffe sehr gut geeignet ist. Weitere Entwicklungen der aktuell verfügbaren Instrumentenpalette sowie die Implementierung von weiteren softwarebasierten Features werden zu einer Erweiterung der operativen Möglichkeiten beitragen.

Roboterarm-Einheit (Bedside-Unit, BSU).
Erste Erfahrungen mit dem Versius Surgical System® in der Thoraxchirurgie
Minimalinvasive Techniken und Technologien haben in den vergangenen Jahren maßgeblich zur innovativen Weiterentwicklung in den chirurgischen Fachdisziplinen beigetragen. Hauptziele waren und sind dabei die Reduktion des Operationstraumas, Erhöhung der Sicherheit und Radikalität onkologischer Operationen sowie die Entwicklung neuer Verfahren und Techniken. In der Thoraxchirurgie besteht zusätzlich die Hoffnung, dass mit der Roboter-assistierten Chirurgie aktuell minimalinvasiv nur eingeschränkt durchführbare bronchoplastische und angioplastische Eingriffe in Zukunft primär minimalinvasiv adressiert werden können. Nicht alle Ziele sind bisher erreicht. Nachdem über viele Jahre ein einzelner Anbieter die Entwicklung bestimmte, hat sich diese Situation seit zwei Jahren grundlegend geändert: Zahlreiche neue Systeme sind nun verfügbar oder in der Entwicklung. Am Lungenkrebszentrum des Klinikums Chemnitz haben wir als erste in Deutschland am 19. April 2021 mit dem Versius Surgical System® der britischen Firma CMR begonnen, Roboter-assistierte thoraxchirurgische Eingriffe durchzuführen.
Das System erlaubt eine ergonomische stehende oder sitzende Position sowie die ungehinderte Kommunikation mit dem gesamten OP-Team
Das neu entwickelte System unterscheidet sich durch seine offene und höhenverstellbare Bedienkonsole von bisher verfügbaren Systemen. Dies erlaubt der Chirurgin/dem Chirurgen eine ergonomische stehende oder sitzende Position sowie die ungehinderte Kommunikation mit dem gesamten OP-Team. Zuschauer können den 3D-Blick des Chirurgen am gleichen Monitor folgen. Das System ist nicht ortsgebunden und sowohl im Raum frei platzierbar als auch ohne größeren Aufwand in benachbarte Operationssäle verbringbar. Die Bedside-Units (BSU) sind dem menschlichen Arm nachempfunden und besitzen neben einem Schulter- auch ein Ellenbogen- und ein Handgelenk (W Abb. 2). Dies erlaubt eine sehr präzise intuitive Instrumentenführung und sieben Freiheitsgrade am Ende der Instrumente. Sie sind frei und damit patienten- und befundadaptiert positionierbar. Zur Verfügung steht im Moment ein Basisinstrumentarium (W Abb. 1).
Neben Nadelhaltern, monopolarem Häkchen und einer monopolaren Schere stehen eine bipolare Maryland-Zange und eine Greifzange zur Verfügung. Die 3D-Videokamera ist sowohl mit einer 0-Grad- als auch 30-Grad-Optik verfügbar. Das Bild ist mehrfach vergrößert und erlaubt eine perfekte und detaillierte Sicht auf alle Strukturen. Gesteuert wird das System durch den Chirurgen an der Konsole mit zwei Handcontrollern. Diese sind als Joysticks ergonomisch so aufgebaut, dass die komplette Funktionalität einschließlich Kamera, HF-Modus und Instrumentenfunktion allein darüber steuerbar ist. Ein Head-up-Display zeigt jeweils als Bild-in-Bild den jeweiligen Funktions- und Rotationsstatus der Instrumente an. Es sind für das System keine zusätzlichen baulichen oder ausstattungstechnischen Voraussetzungen erforderlich. Dies und der geringe Platzbedarf erlauben einen Einsatz in auch in kleineren Operationssälen.
