Fortbildung aus CHAZ 5/2023

Caroline Deutschmann, Hagen Rudolph, Torsten Mehlhorn, Lutz Mirow

Implementierung des Versius®-Operationssystems in der Viszeralchirurgie
Die ersten 318 Eingriffe

Die minimalinvasive Chirurgie (MIC) hat sich in den letzten Jahrzenten für viele Eingriffe zum Goldstandard in der Viszeralchirurgie entwickelt. Ursächlich dafür sind die vielen Vorteile gegenüber dem offenen chirurgischen Vorgehen – dies sind etwa weniger postoperative Schmerzen, geringerer Blutverlust sowie eine kürzere Verweildauer im Krankenhaus bei mindestens gleichwertigen onkologischen Ergebnis [1, 2]. Allerdings stellt die MIC die Operateurin/den Operateur auch vor Herausforderungen. Diese sind durch die limitierten Freiheitsgrade der Bewegung des Instrumentariums, dem Tremor in der Hand des Operateurs, die Führung der Kameraoptik durch die Assistenz und häufig noch vorhandene 2D-Technik im Bildschirm begründet. Daher bedarf es einer enormen Lernkurve, um minimalinvasive Operationen auf höchstem Standard durchzuführen zu können.

Versius® Konsole sowie mobile Einheiten.

Die Roboter-assistierte minimalinvasive Chirurgie kann einige der Limitationen bei MIC-Eingriffen beheben

Die Roboter-assistierte minimalinvasive Chirurgie (RAC) kann einige dieser Limitationen jedoch schon jetzt beheben: Die Instrumentarien lassen sich in sieben Freiheitsgraden bewegen, der Tremor der Hand wird durch den Roboter herausgefiltert, die Kamera wird durch die Operateurin/den Operateur selbst gesteuert und zeigt zudem ein hochauflösendes 3D-Bild. Als weiterer Vorteil gilt die ergonomische Arbeitsweise für die Chirurgin/den Chirurgen und die Reduktion der muskulären Ermüdung während der OP [3–7]. In mehreren Studien konnte eine niedrigere Rate an Komplikationen sowie eine kürzere Operationszeit bei gleichwertigem onkologischem Ergebnis im Vergleich zur MIC gezeigt werden [8, 9]. Als limitierende Faktoren für die Implementierung der RAC sind vor allem die hohen Kosten bei Anschaffung, Wartung und
Materialbeschaffung zu nennen. Diese werden aktuell durch das DRG-System nicht abgebildet [10–12]. Die Rate an Komplikationen sinkt mit steigender Anzahl an Operationen, so dass auch hier eine steile Lernkurve zu verzeichnen ist [13, 14].

Das Versius® Robotersystem: Die mobilen Einheiten erlauben eine große Flexibilität in der Platzierung der Zugänge

Wir implementierten das Versius®-Robotersystem der Firma CMR Surgical aus Cambridge (England) als erstes Krankenhaus in Deutschland und zehnte Klinik weltweit im April 2021. Es besteht aus einer offenen Konsole für den Operateur, der mit Hilfe eines Controllers die Kamera und die Arme auf bis zu vier freistehenden – und damit mobilen – Einheiten steuern kann. Die Roboterarme können in sieben Freiheitsgraden bewegt werden und ahmen die Beweglichkeit des menschlichen Armes nach. Mittels Head-up-Display erhält der Chirurg ein 3D-Bild des Situs in HD-Qualität. Durch die offene Konsole ist direkte Kommunikation zwischen der Operateurin/dem Operateur und der Assistenz am Tisch jederzeit möglich und die mobilen Einheiten erlauben eine große Flexibilität in der Platzierung der Zugänge. Eine spezielle Infrastruktur, wie beispielsweise besondere OP-Säle, sind nicht notwendig. Weiterhin sind sowohl Hybrid-Eingriffe (robotisch-laparoskopisch, robotisch-offen) als auch ein Umstieg auf eine konventionelle Laparoskopie jederzeit problemlos möglich [15–17].
Zur Vorbereitung durchliefen unsere Chirurgie-Teams ein mehrstufiges Trainingskonzept bestehend aus einem Onlinetraining zur Vermittlung theoretischer Kenntnisse wie Positionierung sowie Anschlüsse der Arme und Handhabung der Instrumentarien. Dann folgte eine zwölfstufige Schulung an der Konsole und zum Abschluss ein mehrtägiges Trainingsprogramm unter Anleitung der CMR-Ausbilder, in dem die Eingriffe zunächst am Tiermodell und später an Leichen trainiert wurden [18].

Versius® am Klinikum Chemnitz: Die Bandbreite der Eingriffe reicht von Cholezystektomien bis hin zu hybriden Pankreas- und Ösophagusresektionen

Seit der Implementierung im April 2021 wurden an unserer Klinik insgesamt 318 Patienten mit dem Versius® operiert (Stand: Februar 2023). Die Bandbreite der durchgeführten Operationen reicht von Cholezystektomien und Appendektomien bis hin zu hybriden Pankreas- und Ösophagusresektionen.

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