Fortbildung aus CHAZ 6/2021

Josef Egetemeyer, Stephanie Trum, Detlef Krenz

Deutliche Zunahme komplizierter Cholezystektomien in der Covid-19-Pandemie?

Blinddarmentzündungen wurden laut einer Studie der DGCH und dem Wissenschaftlichen Institut der AOK auch während des ersten Lockdowns zeitgerecht operiert, so dass keine Häufung an komplizierten Appendizitiden auftrat [1]. Diese Ergebnisse ließen sich auch im Klinikum Dritter Orden in München so bestätigen. Das CovidSurg Network, eine weltweite Studiengemeinschaft, die sich mit den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Chirurgie befasst, sammelte Daten aus 359 Krankenhäusern in 71 Ländern für den Zeitraum der jeweils zwölf Wochen mit den stärksten Restriktionen während der ersten Pandemie-Phase. Festgestellt wurde hierbei eine Reduktion der gastrointestinalen Oberbauch- sowie hepatobiliären Elektiveingriffe für benigne Erkrankungen um 81,5 Prozent [2]. Eine 39-prozentige Reduktion von Cholezystektomien aufgrund einer akuten Cholezystitis innerhalb der ersten 90 Tage des Lockdowns verglichen zum Vorjahreszeitraum ergab eine retrospektive Datenanalyse dreier großer Kliniken, die die medizinische Versorgung der Region Salzburg Nord abdecken [3].  Es fehlen bisher jedoch Ergebnisse über die operative Versorgung der Patienten, die seit Beginn der Covid-19-Pandemie eine Cholezystektomie erhalten haben.

Im Klinikum Dritten Orden wurden bayernweit die drittmeisten Cholezystektomien durchgeführt
Da die Cholezystektomie im Klinikum Dritter Orden traditionell eine der am häufigsten durchgeführten Eingriffe ist, lassen sich verlässliche Aussagen zu dieser Fragestellung treffen. Daten der bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung aus dem Jahr 2014 – dem letzten offiziellen Datenvergleich zur Cholezystektomie – zeigten, dass im Klinikum Dritten Orden die bayernweit drittmeisten Cholezystektomien durchgeführt wurden. Weiterhin ergab die Auswertung signifikant weniger organspezifische Komplikationen wie Blutung, Okklusion oder Durchtrennung des DHC, revisionsbedürfitge Leckagen, Zystikusstumpfinsuffizienz oder sonstige Komplikationen im bayernweiten Vergleich (Tabelle 1).
Die Betrachtung der Daten zeigte außerdem, dass in den Jahren 2013 bzw. 2014 lediglich 1,4 bzw. 1,6 Prozent der laparoskopisch begonnenen Cholezyst­ektomien konvertiert werden mussten, wobei der bayernweite Referenzwert hier bei jeweils 4,1 Prozent lag (Tabelle 2).
Eine interne Datenanalyse der Jahre ab 2013 bis zum 22. März 2020 ergab insgesamt 2574 laparoskopisch begonnene Cholezystektomien. Lediglich 1,4 Prozent (n=36) der Gallenblasenentfernungen mussten einer Konversion unterzogen werden, was sich mit den offiziellen Daten der BAQ aus dem Jahr 2014 deckt. In diesem Zeitraum wurden zirka 42 Prozent aller Gallenblasenoperationen von Assistenzärzten im Beisein eines Facharztes nach streng standardisiertem Vorgehen durchgeführt. Daran hat sich seit Beginn der Covid-19-Pandemie nichts geändert. Seit dem ersten Lockdown vom 22. März 2020 bis zum 31. Dezember 2020 wurden im Klinikum Dritter Orden 282 laparoskopische Cholezystektomien durchgeführt, wovon in 3,9 Prozent (n = 11) zu einem offenen Vorgehen umgestiegen werden musste. Dieser Wert unterschreitet zwar immer noch den bayerischen Referenzwert aus dem Jahr 2014, liegt im internen Vergleich jedoch deutlich über den 1,4 Prozent aus den Jahren 2013 bis zum ersten Lockdown. Zu diesen elf Fällen kam ein weiterer Fall hinzu, bei dem aufgrund des CT-morphologisch massiven Befundes mit Verdacht auf Gallenblasenperforation bereits primär offen begonnen wurde. Dies war in den Jahren zuvor überhaupt nicht vorgekommen.

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