Fortbildung aus CHAZ 9/2020

Ralf Kothe, Frank Kandziora, Bernhard Meyer, Christian Knop

»Spezielle Wirbelsäulenchirurgie«:

Konzept einer interdisziplinären Zusatzweiterbildung

Das Ziel der Zusatzweiterbildung „Spezielle Wirbelsäulenchirurgie‘‘ ist die Verbesserung der Ausbildung von Wirbelsäulenchirurgen in Deutschland. Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) hat sich dieses Ziel bereits bei der Gründung der Gesellschaft 2006 in die Satzung geschrieben. Mit dieser Zusatzweiterbildung wird erstmalig eine verpflichtende Standardisierung der Ausbildung von Wirbelsäulenchirurgen angestrebt. Geplant ist eine strukturierte Zusatzweiterbildung von zwei Jahren nach Facharztanerkennung. Zugangsberechtigt sind Fachärzte für Neurochirurgie sowie Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Das Ziel der Zusatzweiterbildung ‚‚Spezielle Wirbelsäulenchirurgie‘‘ ist die Verbesserung der Ausbildung von Wirbelsäulenchirurgen in Deutschland. Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) hat sich dieses Ziel bereits bei der Gründung der Gesellschaft 2006 in die Satzung geschrieben. Die DWG ist mit knapp 2300 Mitgliedern eine der größten Fachgesellschaften Europas. Sie ist ein interdisziplinäres Forum von operativ und konservativ tätigen Ärzten sowie Grundlagenforschern, die sich vor allem aus den Fachrichtungen der Neurochirurgie und Orthopädie/Unfallchirurgie rekrutieren.
In den vergangenen Jahren hat die DWG zur Verbesserung der Versorgungsqualität von Wirbelsäulenerkrankungen zahlreiche Aktivitäten unternommen. Ein modulares Ausbildungssystem für Wirbelsäulenchirurgen hat zur besseren Strukturierung der chirurgischen Ausbildungsqualität beigetragen. Dieses Curriculum ist von den nationalen Fachgesellschaften für Neurochirurgie (DGNC) sowie für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) mittlerweile anerkannt worden und hat auf europäischer Ebene ebenfalls Beachtung gefunden. Die Basiskurse sind äquivalent zum Eurospine Course Diploma (ESCD) der europäischen Fachgesellschaft (EUROSPINE). Und auch für das Trainingskurs-Zertifikat der EANS (European Association of Neurological Societies) besteht eine vollständige Anerkennung. Mittlerweile sind mehr als 1000 Ärztinnen und Ärzte in diesem modularen Ausbildungssystem der DWG weitergebildet worden. Zusätzlich zu der individuellen Weiterbildung hat die DWG eine optimierte Struktur- und Prozessqualität von wirbelsäulenchirurgischen Kliniken angestrebt. Im Rahmen der Zentren-Zertifizierung sind mittlerweile mehr als 60 Kliniken durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle (CERTiQ) zertifiziert worden. Ein weiterer Schwerpunkt der DWG ist die Etablierung eines deutschen Wirbelsäulenregisters. Ende 2019 waren in diesem Register mehr als 140 000 Erfassungsbögen und 92 000 Operationsbögen dokumentiert.

Geplant ist eine strukturierte Zusatzweiterbildung von zwei Jahren nach Facharztanerkennung
Die genannten Maßnahmen beabsichtigen die Verbesserung der Versorgungsqualität von Wirbelsäulenerkrankungen auf freiwilliger Basis. Mit der Zusatzweiterbildung ‚‚Spezielle Wirbelsäulenchirurgie‘‘ wird erstmalig eine verpflichtende Standardisierung der Ausbildung von Wirbelsäulenchirurgen angestrebt. Geplant ist eine strukturierte Zusatzweiterbildung von zwei Jahren nach Facharztanerkennung. Zugangsberechtigt sind Fachärzte für Neurochirurgie sowie Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Dauer der Weiterbildung und die inhaltliche Gestaltung berücksichtigen die Anforderungen der neuen Musterweiterbildungsordnung (MWBO). Eine Anerkennung von Zeiten und Leistungen aus der regulären Facharztausbildung ist deshalb nicht mehr möglich. Dafür sind die Zusatzweiterbildungen nach der MWBO auf maximal 24 Monate begrenzt. Die grundlegende konservative und operative Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen bleibt integraler Bestandteil der Facharztausbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie und der Facharzt­ausbildung für Neurochirurgie.
Inhaltlich wird im Weiterbildungscurriculum „Spezielle Wirbelsäulenchirurgie“ zwischen kognitiver und Methodenkompetenz (Kenntnisse) und der Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten) unterschieden. Die Richtzahlen werden im Sinne der neuen MWBO auf das mindestens Notwendige begrenzt. Die einzelnen Ausbildungsblöcke orientieren sich am modularen Weiterbildungscurriculum der DWG zur persönlichen Zertifizierung. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Themen:

  • Grundlagen
  • Operative Therapie degenerativer Erkrankungen der Wirbelsäule
  • Deformitäten
  • Verletzungen der Wirbelsäule
  • Tumore und entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule
  • Intradurale Pathologien

Ein siebter Block bezieht sich auf die operativen Techniken, wobei zwischen den anatomischen Regionen (HWS-BWS/LWS), den unterschiedlichen Zugangswegen (ventral/dorsal/kombiniert) und den operativen Verfahren (Dekompression/Instrumentierung) unterschieden wird. Für komplexe und sehr spezialisierte Eingriffe (z. B. Resektion intraduraler Tumoren oder langstreckige Korrekturspondylodesen bei Deformitäten) ist eine bestimmte Anzahl von Assistenzen ausreichend.

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