Neues Antibiotika-Resistenzgen in Hautbakterien von Kühen entdeckt
Wissenschaftler des Instituts für Veterinär-Bakteriologie der Universität Bern haben ein neues Antibiotika-Resistenzgen in Macrococcus caseolyticus – einem harmlosen Bakterium, das auf der Haut von Milchkühen vorkommt – entdeckt [1]. Beim Melken kann das Bakterium in die Milch gelangen und die Resistenz – über den Verzehr von Rohmilchprodukten – auf die im Menschen lebenden Bakterien übertragen werden. Das neu entdeckte Resistenzgen macht seinen Träger resistent gegen den Wirkstoff Methicillin, gegen den auch der gefürchtete „Krankenhauskeim“ MRSA resistent ist und der nur durch eine Kombination von mehreren Antibiotika bekämpft werden kann. Während die Methicillin-Resistenz bei MRSA mit den drei Genen mecA, mecB und mecC in Verbindung gebracht wird, beruht die neu entdeckte Resistenz von M. caseolyticus auf einem anderen Gen (mecD).
Neues Resistenzgen könnte auf S. aureus übertragen werden
Die Wissenschaftler untersuchten über einen Zeitraum von mehreren Jahren die Milch von Kühen, die an Euterentzündungen litten. Dabei stellten sie fest, dass die Bakterien des Stammes M. caseolyticus gegen die bei Euterentzündungen häufig verwendeten Betalaktam-Antibiotika Penicillin und Cephalosporin resistent waren. Die Wissenschaftler konnten das Resistenzgen identifizieren und nachweisen, dass es sich um ein neuartiges, bisher noch nicht dokumentiertes Resistenzgen handelt, das seinem Träger eine Resistenz gegenüber allen Betalaktam-Antibiotika verleiht – auch gegenüber Breitbandantibiotika der neuesten Generation, die gegen MRSA eingesetzt werden.
Bakterien haben das Potential, verschiedene Tierarten zu besiedeln. Auch wenn M. caseolyticus mit dem neu entdeckten Resistenzgen bisher hauptsächlich bei Kühen gefunden wurde, wurde es in einem Fall bei einem Hund nachgewiesen, der an einer Hautinfektion litt. Da Bakterien ihre Resistenzgene mit anderen Bakterien austauschen können, ist das neuentdeckte Gen eine Gefahr für den Menschen: Im Laborversuch wurde bereits gezeigt, dass das Gen auf S. aureus übertragen werden kann. Da sich S. aureus und M. caseolyticus denselben Lebensraum teilen, könnte diese Übertragung bald auch auf natürlichem Wege geschehen und die Bekämpfung der „Krankenhausinfektionen“ zusätzlich massiv erschweren.
1. Schwendener S, Cotting K, Perreten V (2017) Novel methicillin resistance gene mecD in clinical Macrococcus caseolyticus strains from bovine and canine sources. Sci Rep 7: 43797. doi: 10.1038/srep43797
