Wegberger Sankt-Antonius-Klinik geschlossen

Die Sankt Antonius-Klinik Wegberg – vor über 110 Jahren eröffnet – ist am 2. Juni 2017 per sofort geschlossen worden, wie die regionale Presse berichtete. Die etwa 70 Mitarbeiter sind über den Schritt von der Geschäftsführung des 93-Betten-Hauses am selben Tag informiert worden. Die sofortige Schließung sei die Konsequenz aus den vergangenen Monaten (!), man habe nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können. Ebenfalls am 2. Juni wurden die letzten Patienten in andere Kliniken verlegt. Für die weitere Abwicklung wurden etwa zehn Millionen Euro beim Land beantragt, das allerdings nur rund die Hälfte zahlen will – was sich auf den Sozialplan für die Mitarbeiter auswirken könnte. Die Wegberger Klinik war nach der Übernahme durch den Chirurgen Arnold Pier im Februar 2006 in erster Linie aufgrund des durch ihn verursachten „Zitronensaft-Skandals“ in die Schlagzeilen geraten.

Die Vorfälle verursachten einen Imageschaden, von dem sich das Krankenhaus nicht mehr erholte

Damals hatte Pier die Gesellschafteranteile für 26000 Euro erworben. In der Folge gab es wegen Hygienemängeln, fehlerhaften Behandlungen und unnötigen Operationen anonyme Anzeigen, Hausdurchsuchungen, Festnahme, Verhöre, zahlreiche Personalwechsel etc. Schließlich verurteilte das Landgericht Mönchengladbach den damaligen Chefarzt und Klinikeigner in einem der größten Arztstrafrechtsverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte 2011 wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren mit einem vierjährigen Berufsverbot. Die Vorfälle im Wegberger Krankenhaus verursachten einen so eklatanten Imageschaden, dass sich das Haus nie mehr davon erholte: Auch die Wegberger Bevölkerung entschied sich zunehmend für andere Einrichtungen. Das konnte auch die neue Klinikchefin nicht mehr korrigieren und das Ende der Einrichtung war nur noch eine Frage der Zeit.