Adipositaschirurgie: Nach OP weniger Lust auf fettige Speisen

Die Magenbypass-Operation gehört zu den erfolgsreichsten Maßnahmen unter den chirurgischen Therapien um das Gewicht dauerhaft zu reduzieren. Der Gewichtsverlust nach einem solchen Eingriff ist jedoch oftmals größer als man durch die verringerten Mahlzeiten erwarten würde. Zudem berichten viele Patienten von einem veränderten Appetit auf Lebensmittel mit weniger Fettgehalt. Wie es dazu kommt, konnte man sich bislang nicht erklären. Wissenschaftler um Dr. Wiebke Fenske vom IFB AdipositasErkrankungen in Leipzig konnten nun erstmals bei Ratten einen Mechanismus beschreiben, der erklärt, weshalb Veränderungen im Darm zu weniger Appetit auf fetthaltige Nahrung führen. Verantwortlich dafür ist das Molekül Oleoylethanolamid (OEA) – dessen Aktivierung durch Fettzufuhr im Darm erfolgt; es sendet in Abhängigkeit vom zugeführten Fettgehalt Sättigungssignale an das Gehirn. Nach der Operation wurde dieses Molekül bereits nach geringer Fettzufuhr in deutlich höherer Menge vom Darm produziert. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass dieser Fettsensor im Darm dem Gehirn nicht nur Sattheit signalisiert, sondern auch das Lustzentrum im Gehirn aktiviert – durch eine gesteigerte Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin. „Die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn hat direkten Einfluss auf das mit der Nahrungsaufnahme einhergehende Genussempfinden. Adipositas geht oftmals mit einer veränderten Dopamin-Steuerung im Gehirn einher. Ist die Dopamin-Freisetzung gestört, bedarf es eines gesteigerten Belohnungsreizes, also einer vermehrten Energiezufuhr, um die erforderliche Genussantwort auszulösen, die uns eine Mahlzeit beenden lässt“, so Fenske. Die vorteilhafte Regulierung des Dopamins durch das Molekül OEA produziert somit ein gesünderes Essverhalten und führt zu einem dauerhaften Gewichtsverlust. Die neuen Erkenntnisse über diesen Signalweg von der Nahrungsaufnahme über den Darm zum Gehirn – und damit wieder zurück zur Nahrungsaufnahme, bieten Ansatzpunkte für neue medikamentöse Therapien, die auch Patienten zugutekommen könnten, die eine chirurgische Therapie ablehnen.

Hankir MH, Seyfried F, Hintschich CA, et al (2017) Gastric bypass surgery recruits a gut PPAR-α-striatal D1R pathway to reduce fat appetite in obese rats. Cell Metabol 25: 335–344