Umfrage zu Gewalt gegen Krankenhausmitarbeiter
Anzahl der Übergriffe in den letzten 5 Jahren deutlich angestiegen
Die Umfrage verdeutlicht, dass die Beschäftigten von Krankenhäusern immer häufiger von gewalttätigen Übergriffen betroffen sind. So gaben 73% der Krankenhäuser an, dass die Anzahl dieser Übergriffe innerhalb der letzten 5 Jahre mäßig (53%) oder deutlich (20%) angestiegen ist. Ein Rückgang dieser Übergriffe wurde von lediglich 4% der Krankenhäuser gemeldet.
Mitarbeiter aus der Pflege mit Abstand am häufigsten betroffen
Von den Übergriffen betroffen waren von 80% der Krankenhäuser vorrangig der Pflegedienst, bei 19% der Krankenhäuser waren Mitarbeiter aus der Pflege und ärztliche Mitarbeiter zu gleichen Teilen betroffen, lediglich 1% der Krankenhäuser gab an, dass das ärztliche Personal vorrangig Ziel der Angriffe war.
Hälfte der Angriffe in den Notaufnahmen
Hauptort der Übergriffe war bei 50% der Kliniken die Notaufnahme, gefolgt von der Station (30%). Die übrigen 20% der Krankenhäuser gaben an, dass beide Orte gleichermaßen betroffen waren.
Ursachen zumeist Schmerzen, Alkoholkonsum und Respektverlust
Befragt nach den Ursachen der Gewalt nannten 77% der Krankenhäuser den besonderen Zustand des Patienten (z.B. Schmerzen, Alkohol), 73% gaben einen allgemeinen Respektverlust gegenüber dem Krankenhauspersonal an, bei 69% der Krankenhäuser war ein spezielles Patientengut (z.B. Patienten mit Schizophrenie oder Demenz) für den Angriff verantwortlich. Weitere Ursachen waren zu lange Wartezeiten (40%), Folge des Durchsetzens der Stationsordnung durch das Personal (36%), gewaltbetonte Kultur in der Umgebung des Klinikums (23%), niedrige Personalbesetzung der Stationen aufgrund des Fachkräftemangels (22%), Medikamentenverweigerung (16%), Verschieben von Untersuchungen oder Therapien (16%), unzureichende Fortbildung der Mitarbeiter zur Deeskalation (10%) und ein hoher Anteil an Mitarbeitern mit geringer Berufserfahrung (7%).
Psychische Belastungen des Personals
Die tätlichen Angriffe bleiben nicht ohne Folgen. So kommen merkliche psychische Belastungen (z.B. Schock, Angstgefühle oder Niedergeschlagenheit) der betroffenen Mitarbeiter in 73% der Krankenhäuser gelegentlich und in 14% der Krankenhäuser häufig vor. Die Mitarbeiter der Krankenhäuser trugen durch den Angriff gelegentlich (74%) oder häufig (11%) leichte körperliche Schäden (z.B. Kratz- und Bisswunden oder Hämatome) davon. Sachschäden, beispielsweise in Form von zerstörten Brillen oder Kleidung, kamen gelegentlich (78%) oder häufig (10%) vor. Arbeitsunfähigkeit der Mitarbeiter als Folge des Übergriffs wurde gelegentlich (60%) bzw. häufig (5%) gemeldet. Die betroffenen Mitarbeiter beendeten gelegentlich (66%) bzw. häufig (5%) frühzeitig ihren Dienst und begaben sich gelegentlich (61%) bzw. häufig (5%) in ärztliche Behandlung. Reine Sachbeschädigung (z.B. Brandstiftung) kam bei 54% der Krankenhäuser gelegentlich, bei 4% der Krankenhäuser häufig vor. Die von Gewalt betroffenen Mitarbeiter haben um Versetzung gebeten (gelegentlich: 37%, häufig: 2%), begaben sich in therapeutische Behandlung (gelegentlich: 59%, häufig: 1%) oder haben gekündigt (gelegentlich: 21%, häufig: 1%). Die Mitarbeiter in 18% der Krankenhäuser erlitten durch den Angriff einen deutlichen körperlichen Schaden (z.B. Bewusstlosigkeit, Knochenbrüche), bei 1% der Krankenhäuser kam dies häufig vor.
Präventive Maßnahmen der Krankenhäuser
Zur Prävention und Bewältigung der Übergriffe wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. So werden in 65% der Krankenhäuser Deeskalationstrainings angeboten, 64% der Krankenhäuser besitzen Zugangskontrollen, Beleuchtung dunkler Flure oder Videoüberwachung, in 60% der Krankenhäuser gibt es klinikinterne Handlungsempfehlungen für den Umgang mit aggressiven Patienten und für den Umgang mit körperlichen und verbalen Angriffen. 58% der Krankenhäuser bieten eine psychologische Unterstützung von Mitarbeitern an, 53% der Krankenhäuser Seminare zu professionellem Umgang mit Gewalt und Aggression und 50% der Krankenhäuser haben Nachsorge- und Hilfsangebote für betroffene Mitarbeiter eingeführt. Zudem finden regelmäßige Besprechungen der Angriffe im Team statt (37%), es wird ein spezifisches Berichtswesen eingesetzt (32%), es gibt Trainings für Mitarbeiter zur Ausführung von Zwangsmaßnahmen (28%), Sicherheitspersonal ist vor Ort anwesend (28%) und es werden Fragebogen, beispielsweise zum Screening für aggressives Verhalten, eingesetzt (17%).
Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage stellt das Deutsche Krankenhausinstitut auf seiner Internetseite zur Verfügung.
