75% der Ärzte wünschen sich Eigenbeteiligung der Patienten im GKV-System
Umsetzung sollte durch die Krankenkassen erfolgen
Eine Mehrheit von 63% der Ärzte sah die Aufgabe der Berechnung und Einziehung der Eigenbeteiligung bei den Krankenkassen, 17% sahen die Organisation hierfür in der Arztpraxis und 15% würden einen staatlichen Mechanismus zur Berechnung bevorzugen, der neben den bekannten GKV-Strukturen funktioniere.
Bonus-Modelle eher nutzlos, höhere Steuern eher erfolgsversprechend
Bonus-Modelle der Krankenkassen, wie beispielsweise die finanzielle Belohnung von Patienten, die Mitglied in einem Fitnessstudio sind oder an Sport- und Ernährungskursen teilnehmen, werden von der Mehrheit (62%) der Umfrageteilnehmer als nutzlos angesehen. Eine Mehrheit von 65% sprach sich jedoch dafür aus, die Steuern auf ungesunde Lebensmittel, Tabak oder Alkohol zu erhöhen
Hintergrundwissen kann zu ressourcenschonendem Verhalten beitragen
Etwa 71% der Ärzte sind der Meinung, dass die Patienten besser über die Strukturen des Gesundheitssystems informiert werden müssten. Für die Wissensvermittlung sollten gemeinschaftlich die Krankenkassen, die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Ärztekammern und die Patientenberatungsstellen zuständig sein. Das Hintergrundwissen könne dazu führen, dass die Patienten sich ressourcenschonender verhalten würden. 36% der Befragten halten in diesem Zusammenhang das Unterrichtsfach „Gesundheit“ in der Schule als erstrebenswert, 27% sind jedoch der Meinung, dass auch eine bessere Aufklärung nichts am Verhalten der Patienten ändern würde.
Arztpraxen effektivste Richtungsweiser
Die meisten Umfrageteilnehmer (67%) sprachen sich dafür aus, dass akut erkrankte Patienten zuerst die Arztpraxen aufsuchen sollten. 41% sprachen sich dafür aus, im Akutfall zuerst über die Rufnummer 116117 zu sortieren, welche Praxis oder Klinik am ehesten in Frage kommt. 21% sahen in den Krankenkassen gute Ansprechpartner für akut erkrankte Patienten. Auch unabhängige Patientenberatungsstellen (24%) und Notaufnahmen (19%) kamen für einige der befragten Ärzte als erster Ansprechpartner in Frage. Den von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geplanten Gesundheitskiosken trauten dagegen nur 4% der Teilnehmer zu, einen angemessenen Behandlungsort für akut erkrankte Patienten zu finden. Mehrfachangaben waren möglich.
Verpflichtende Hausarzt-Strukturen
Die Mehrheit der Fachärzte (64%) lehnt eine Stärkung der verpflichtenden Hausarzt-Strukturen ab, bei denen diese als Lotsen für die Patienten fungieren. So gebe es weder genügend Hausärzte, noch solle die freie Arztwahl eingeschränkt werden. Die Hausärzte wiederum sprachen sich mehrheitlich (56%) dafür aus, Patienten zukünftig deutlicher und verpflichtend über ihre Hausarztpraxen zu führen.
