Patienten mit erhöhtem Amotiorisiko: Indikation zur Kataraktoperation zurückhaltend stellen
In diesem Kollektiv hatten 298 Augen eine rhegmatogene Netzhautablösung erlitten; in dieser Subgruppe lag das Durchschnittsalter mit 65,4 Jahren deutlich unter jenem des Gesamtkollektivs mit 74,0 Jahren. Die Amotiopatienten waren zu 68,8% Männer, während diese im Gesamtkollektiv nur 41,6% ausmachten. Von den Augen, die später eine Amotio erlitten, hatten vor der Kataraktoperation 53,8% einen Visus von 0,5 oder besser (Gesamtkollektiv: 57,2%), bei 13,8% lag die Sehschärfe sogar bei 0,8 und besser, was höher war als im Gesamtkollektiv mit 8,3%.
Auffallend war die Diskrepanz am noch nicht zur Operation anstehenden Partnerauge: 93,6% dieser Augen von Patienten mit späterer Amotio auf dem kataraktoperierten Auge sahen 0,5 und besser, was im Gesamtkollektiv nur bei 79,6% der Fall war; einen Visus von 0,8 und besser hatten 76,9% vs. 42,8%.
Die schwedischen Ophthalmologen ziehen daraus den Schluss, dass die Patienten, die in der Folgezeit eine Netzhautablösung erlitten, mehrheitlich einen brauchbaren, teils sogar einen guten binokularen Visus zum Zeitpunkt der Kataraktoperation hatten. Selbst in der Subgruppe der Amotiopatienten mit allen Risikofaktoren (Alter, Achsenlänge, Mann) sahen 95,3% der Augen noch 0,5 oder besser und 74,4% sahen mindestens 0,8. Das Fazit der Autoren: „Wir konnten mit dieser Studie belegen, dass die Sehschärfe dieser Patienten vor der Kataraktoperation vielfach überraschend gut ist und dass es für diese Patienten vielleicht die beste Option ist, mit dem Eingriff noch zu warten.“
Thylefors J et al (2023) Visual acuity prior to cataract surgery and risk of retinal detachment – a population-based study.
Clin Ophthalmol 17: 1975–1980
