Vorhofflimmern kann bei Glaukom die Gesichtsfeldprogression beschleunigen
... lag die durchschnittliche Progression des Gesichtsfeldrückgangs vor Beginn dieser Symptomatik bei durchschnittlich -0,20 dB pro Jahr und nahm nach Auftreten des Vorhofflimmerns auf -0,28 dB/Jahr zu – nach den Worten der Autoren eine kleine, aber signifikante Veränderung. In der Patientengruppe ohne Vorhofflimmern betrug die Progression über den Beobachtungszeitraum durchschnittlich -0,21 dB/Jahr. Die Progression in der Gruppe mit Vorhofflimmern war mit höheren CHADS2- und CHA2DS2-VASc-Scores assoziiert. Dies sind Parameter zur Risikostratifizierung u.a. von ischämischen Schlaganfällen, in welche eine Reihe von Faktoren eingehen wie das Alter der Patienten, das Vorliegen eines Diabetes mellitus, von arterieller Hypertonie und Herzinsuffizienz. Ein um eine Einheit erhöhter CHA2DS2-VASc-Score beispielsweise ging mit einer um -0,07 dB/Jahr schnelleren Progression einher.
Die Autoren kommentieren diese Ergebnisse: „Da Vorhofflimmern die häufigste kardiovaskuläre Erkrankung ist, unterstreicht diese Studie für den Kliniker die Bedeutung eines Monitorings von Patienten mit Glaukom. Eine führende Theorie besagt, dass eine unzureichende Perfusion des N. opticus zum Fortschreiten des Offenwinkelglaukoms aufgrund einer Ischämie mit anschließender Verschlechterung der glaukomatösen Optikusneuropathie beiträgt. Während die posteriore Deformation und Disruption der Lamina cribrosa sich als wichtige Bestandteile der Pathophysiologie des Glaukoms erwiesen haben, gibt es auch Hinweise darauf, dass eine schlechte Durchblutung die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass solche mechanischen Schäden fortschreiten – vermutlich durch ischämische Schwächung der Lamina cribrosa und Schädigung der Nervenfaserzellen. Das Vorhofflimmern und damit verbundenen mikrovaskulären Schäden sind mit einem schnelleren Gesichtsfeldrückgang bei Patienten mit Glaukom assoziiert, was darauf hindeutet, dass Durchblutungsstörungen eine Rolle bei diesem Fortschreiten spielen.“
Nishida T et al (2024) Rates of visual field progression before and after the onset of atrial fibrillation. J Glaucoma 33: 909–914
