Amotio retinae: Patienten mit Neigung zu Keloiden und hypertropher Narbenbildung haben erhöhtes postoperatives PVR-Risiko

Es handelt sich um eine überschießende Wundheilung, die Neigung zur Ausbildung von Keloiden und hypertrophen Narben, die in der jüngeren Vergangenheit auch mit anderen postchirurgischen Komplikationen assoziiert wurden. Hypertrophe Narben und Keloide sind gutartige, umschriebene Bindegewebsvermehrungen der Haut, die klinisch und histologisch exakt voneinander abgegrenzt werden können. Klinisch unterscheiden sie sich vor allem dadurch, dass Keloide über das eigentliche Wundgebiet hinaus horizontal expandieren können, sich meist nicht zurückbilden und auch Jahre nach der initialen Verletzung bestehen können.

Bei der Analyse der elektronischen Krankenakten von mehr als 25.000 Patienten mit rhegmatogener Netzhautablösung wurden 1.061 Personen, bei denen die dermatologische Diagnose KHF (Keloide, hypertrophe Narbenbildung, Fibrose) bestand, mit 1.061 operativ behandelten Amotiopatienten ohne diese Diagnose verglichen. Das Durchschnittsalter lag in beiden Gruppen bei 60,7 Jahren. Binnen 180 Tagen nach der Pars-plana-Vitrektomie zur Therapie einer normal ausgeprägten Amotio bildete sich bei 10,1% der Patienten mit KHF-Diagnose eine proliferative Vitreoretinopathie aus, bei der Gruppe ohne KHF-Diagnose bei 3,4%. Eine erneute Operation wurde in diesem Zeitraum bei 8,3% der Amotiopatienten mit KHF und bei 5,4% der Patienten ohne die pathologische Narbenbildung notwendig.

Die Empfehlung der Autoren aus Cleveland und Palo Alto lautet, dass Vitreoretinalchirurgen vor einem netzhautchirurgischen Eingriff die dermatologische Vorgeschichte des Patienten evaluieren sollten, um das Risiko einer PVR besser einschätzen zu können.

Mammo DA et al (2024) Association of cutaneous keloids, hypertrophic scarring, and fibrosis with risk of post-operative proliferative vitreoretinopathy. Ophthalmology, online publiziert am 29. Januar. doi: 10.1016/j.ophtha.2024.01.032