Netzhautablösung nach refraktivem Linsentausch häufiger als nach Kataraktoperation, aber insgesamt selten
Bei den RLA-Patienten betrug die Inzidenz bei einer Nachbeobachtungszeit von weniger als 12 Monaten 0,00016% (4 von 19.697 Augen), bei einer Nachbeobachtungszeit zwischen 12 und 24 Monaten 0,0000% (bei den 77 Augen trat keine Amotio auf) und bei einer Nachbeobachtungszeit von mehr als 24 Monaten 0,02312% (13 von 490 Augen). Bei den Kataraktpatienten betrug die Amotioinzidenz bei einem Follow-up von weniger als 24 Monate 0,01244% (1.269 von 158.589 Augen) und beim weitaus größeren Teil ohne eindeutig dokumentierte Nachbeobachtungszeit 0,00429% (36.431 von 8.413.527 Augen).
Die Inzidenz der Netzhautablösung nach RLA erscheint auch dann sehr niedrig, wenn man das präoperative Refraktionsdefizit betrachtet. Bei den Patienten, die sich wegen einer Myopie dem Eingriff unterzogen und deren Refraktionsstatus in den Originalarbeiten enthalten war (was nur für eine kleine Gruppe von 590 Augen zutrifft), lag sie bei 0,00779% – angesichts einer durchschnittlichen Myopie von -12,25 dpt sicher erstaunlich gering. Bei den 342 als eindeutig hyperop (im Durchschnitt +5,16 dpt) identifizierten Augen trat keine einzige postoperative Amotio auf.
Insgesamt ist der Interpretation der Autoren eine Netzhautablösung nach RLA bei Nachbeobachtungszeiten von mehr als 24 Monaten (im Median 4 Jahre) etwa doppelt so häufig wie nach Kataraktoperation, rund 1 bei 500 gegenüber 1 bei 1.000. Bei einer insgesamt unterschiedlichen Patientendemografie dürften Hochmyope mit -12 dpt unter den mehr als 8 Millionen Kataraktpatienten eine verschwindend kleine Minderheit und nicht die Norm gewesen sein. Allerdings bleibt ein gesundes Misstrauen gegenüber den niedrigen kumulativen Inzidenzen nach RLA: „Wir stellen die Hypothese auf, dass Amotiones möglicherweise zu selten gemeldet werden, da Patienten häufig in Notaufnahmen gehen; insbesondere bei Ereignissen, die Monate oder Jahre nach der Operation auftreten.“ Grundsätzlich gelte, dass diese Verfahren sicher seien, aber wie jeder chirurgische Eingriff Risiken berge, die im Vorfeld mit dem Augenarzt geklärt werden müssten.
Passaro ML et al (2025) Retinal detachment incidence in refractive lens exchange versus cataract surgery: uncommon versus rare – systematic review and meta-analysis. Br J Ophthalmology, online publiziert am 27. Februar; doi:10.1136/bjo-2024-326592
