Neovaskuläre AMD: Subretinale Flüssigkeit schützt vor Makulaatrophie

Analysiert wurden die Verläufe von 973 bei Studienbeginn unbehandelten Augen von 851 Patienten, die über 5 Jahre nachverfolgt wurden. Die Patienten waren bei Therapiebeginn im Schnitt 77,1 Jahre alt, 63 % davon waren Frauen. Von den Studienteilnehmern wurden 55 % mit Ranibizumab, 23 % mit Aflibercept und 22 % mit Bevacizumab behandelt. Nach dem Vorliegen retinaler Flüssigkeit wurden die Patienten drei Kategorien zugeordnet: überwiegend inaktiv (n = 442), mit überwiegend intraretinaler Flüssigkeit (n = 280) und mit über­wiegend nur subretinaler Flüssigkeit (n = 251).

Der bestkorrigierte Visus war zu Beginn der Studie mit im Schnitt 56,2 Buchstaben bei Patienten mit überwiegend intraretinaler Flüssigkeit am schlechtesten, die Patienten mit fast ausschließlich subretinaler Flüssigkeit sahen im Schnitt 63,6 Buchstaben und die Patienten mit weitgehend inaktivem Krankheitsgeschehen sahen 61,7 Buchstaben. Daran änderte sich über 5 Jahre hinweg wenig: Der durchschnittliche Visus in den 3 Gruppen betrug nach 5 Jahren 54,5 Buchstaben in der Gruppe mit überwiegend intraretinaler Flüssigkeit, 63,7 Buchstaben in der mit überwiegend subretinaler Flüssigkeit und ebenfalls 63,7 Buchstaben in der überwiegend inaktiven Gruppe.

Augen mit überwiegend nur subretinaler Flüssigkeit hatten die niedrigste Konversionsrate hin zu einer Makulaatrophie, hier betrug das Risiko („hazard ratio“, HR) für eine subfoveale Makulaatrophie gegenüber Augen mit überwiegend intraretinaler Flüssigkeit HR 0,56 und gegenüber jenen ohne Krankheitsaktivität mit HR 0,47. Das Risiko einer extrafovealen Makulaatrophie war mit subretinaler Flüssigkeit ebenfalls statistisch signifikant reduziert: gegenüber Augen mit intraretinaler Flüssigkeit mit einem HR von 0,41 und gegenüber primär inaktivem Befund mit einem HR von 0,50. Für beide Lokalisationen der Makulaatrophie hatten Läsionen des Typs 3 (retinale angiomatöse Proliferation) ein höheres Risiko als Augen mit Typ 1 (okkulte CNV) und Typ 2 (klassische CNV). Typ 3-Läsionen waren der einzige signifikant mit der Ausbildung einer subfovealen Fibrose assoziierte Faktor.

Die Autoren schlussfolgern: „Die präsentierte Studie belegt eine ausge­prägte Evidenz dafür, dass in der „Real World“-Praxis subretinale Flüssigkeit über fünf Jahre vor der Ausbildung einer subfovealen und extrafovealen Makulaatrophie schützt. Es ist essenziell, dass künftige Studien nicht nur diese mögliche protektive Assoziation bestätigen, sondern auch die ideale Menge subretinaler Flüssigkeit ermitteln, die noch toleriert werden könnte, um die Entstehung einer Makulaatrophie zu verhindern zu versuchen.“

Sánchez-Monroy J et al (2022) Subretinal fluid may protect against macular atrophy in neovascular age-related macular degeneration: 5 years of follow-up from Fight Retinal Blindness registry. Acta Ophthalmol, online publiziert am 19. Dezember: doi.org/10.1111/aos.15309