Draize-Augenreizungstest soll durch ein neuartiges In-vitro-Testsystem ersetzt werden

Konkret wird dafür menschliches Gewebe gezüchtet, das die Kornea nachbildet. „Die Gewebezellen werden von einer Zellmembran umhüllt, die aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung wie ein elektrischer Isolator wirkt. Bilden die Zellen eine oder mehrere geschlossene Schichten, dann entsteht ein messbarer Widerstand. Die Barriereeigenschaften von Epithelien können über den elektrischen Widerstand ermittelt werden“, erläutert Dr. Christian Lotz, Wissenschaftler am Fraunhofer TLZ..

Verursacht nun eine Testsubstanz eine Schädigung am Auge, kommt es zu einem Rückgang von Epithelien und der Widerstand sinkt. Je mehr Zellschichten absterben, umso weiter sinkt der Widerstand und die Testsubstanz kann frei fließen. So lässt sich der Zustand des Gewebes nicht invasiv mit dem Impedanzspektrometer messen. Ist das Zellgewebe nicht geschädigt, fällt der Widerstand hoch aus. Im Gegensatz zu anderen Methoden sei dieser impedanzbasierter Augenschädigungstest nicht destruktiv, ergänzt C. Lotz. Im Laufe von sieben oder auch mehr Tagen könne gemessen werden, ob sich das Gewebe erholt habe oder nicht. Bei einer Substanz der GHS-Kategorie 1 sei das nicht der Fall, bei einer Chemikalie der GHS-Kategorie 2 regeneriere sich das Zellgefüge jedoch innerhalb von sieben Tagen wieder. Mit dem Draize-Test hatte man die Regeneration nicht messen können.

Im Rahmen einer Multilaborstudie, an der ebenfalls das Bundesinstituts für Risikobewertung sowie die Goethe-Universität in Frankfurt beteiligt ist, soll die Reproduzierbarkeit des Tests nachgewiesen werden. Dann können auch andere Forschungseinrichtungen die nicht invasive Messmethodik anwenden. Zudem soll das impedanzbasierte In-Vitro-Testsystem bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eingereicht und möglicherweise als neue Prüfrichtlinie etabliert werden.