OCT bei Glaukom: Genauere Beurteilung der Progression nur mit mehr Untersuchungen möglich
Während im Gesamtkollektiv dieser Parameter im Durchschnitt bei -0,39 µm pro Jahr lag, hatten Patienten mit moderater Verschlechterung einen Rückgang der RNFL-Dicke um -1,09 µm/Jahr und mit ausgeprägter Verschlechterung um -2,35 µm/Jahr. Die Patienten waren bei Beginn der Studie im Schnitt 67,6 Jahre. Bei knapp einem Drittel von ihnen lag ein Verdacht auf eine Glaukomerkrankung vor. Ein nach dem perimetrischen Befund moderates Glaukom (MD zwischen -6 dB und -12 dB) hatten 7,2 % und ein schweres Glaukom (MD von mehr als -12 dB) 3,94%.
Bei diesen Patienten wurde im Schnitt alle 390 Tage eine OCT-Untersuchung vorgenommen, was dem in den USA üblichen Erstattungsmodus durch die Krankenversicherer entspricht. Mit verschiedenen Simulationen wurde berechnet, dass mit derartigen Untersuchungsintervallen mit dem OCT die Genauigkeit der Entdeckung einer moderaten Progression bei 47% und einer schweren Progression sogar bei nur 40% liegt. Um eine Genauigkeit von 60% zu erzielen, sind mindestens 7 OCT-Untersuchungen über 2 Jahre erforderlich; für eine Genauigkeit von 70% bedarf es für die Feststellung einer moderaten Verschlechterung der RNFL 14 und für die Dokumentation einer schweren Verschlechterung 16 OCT-Untersuchungen über 2 Jahre. Die Autoren ziehen das Fazit: „Die gegenwärtige Häufigkeit, mit der OCT-Scans vorgenommen werden, dürfte ausreichen, um ein Glaukom nachzuweisen, genügt aber nicht, um eine Progression des Glaukoms zuverlässig zu diagnostizieren."
Bradley C et al (2023) Evidence-based guidelines for the number of peripapillary OCT scans needed to detect glaucoma worsening. Ophthalmology 130: 39–47
