Angeborener Katarakt: Auch bei älteren Kindern lernt das Gehirn noch die Verarbeitung visueller Eindrücke

..., untersuchten die Wissenschaftler mittels spezieller Kernspintomografie in bestimmten zeitlichen Abständen nach der Operation Teile des Gehirns und stellten fest, dass Veränderungen in Struktur und Organisation der weißen Substanz auftraten, also der gebündelten Nervenfasern, die verschiedene Regionen des Gehirns miteinander verbinden. Die Veränderungen traten innerhalb mehrerer Monate auf und unterschieden sich deutlich von den altersüblichen und entwicklungsbedingten Veränderungen. So nahm das Volumen der Nervenfasern – insbesondere der Teile des visuellen Systems – deutlich zu und sie waren in ihrer Ausrichtung besser organisiert. Die Fähigkeit der Patienten, Gesichter und Objekte zu unterscheiden, korrelierte dabei mit dem Ausmaß der strukturellen Veränderungen in den Nervenbahnen.

„Die Vorstellung, dass Plastizität eine zeitlich begrenzte Ressource ist und dass wir nach einem bestimmten Zeitfenster keine große Verbesserung erwarten können, scheint für visuelle Funktionen auf niedriger Ebene wie die Sehschärfe zuzutreffen“, so P. Sinha. „Aber wenn wir über visuelle Fähigkeiten höherer Ordnung sprechen, etwa das Unterscheiden eines Gesichts von einem „Nicht-Gesicht“, dann sehen wir im Laufe der Zeit tatsächlich Verhaltensverbesserungen und wir stellen auch fest, dass es eine Korrelation gibt zwischen der Verhaltensverbesserung und den anatomischen Veränderungen."

Pedersini CA, Miller NP et al (2023) White matter plasticity following cataract surgery in congenitally blind patients. PNAS 120(19): e2207025120