Am 17. und 18. Oktober 2025, wurden an der Universitätsaugenklinik Tübingen gleich drei Jubiläen gefeiert: das 150-jährige Bestehen der Universitätsaugenklinik, das 35-jährige Bestehen des Forschungsinstitutes für Augenheilkunde und Pathophysiologie des Sehens (17. 10). sowie der 80. Geburtstag von Prof. Dr. med. Eberhart Zrenner (18.10.), dem langjährigen Direktor der Universitätsaugenklinik und Gründer des Forschungsinstitutes.
Die Rektorin der Universität, Prof. Dr. phil. Karla Pollmann, drückte beim Jubiläumssymposium in ihrer Begrüßungsrede die hohe Wertschätzung der Universität für die klinische Tätigkeit und vor allem auch für die herausragenden wissenschaftlichen Aktivitäten in der Augenklinik aus, die auch international anerkannt würden. In den Ansprachen der klinischen Honoratioren – Prof. Dr. med. Jens Maschmann, dem Leitenden Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums, Prof. Dr. med. Claudia Lengerke, der Prodekanin der Medizinischen Fakultät, und Prof. Dr. med. Hubert Löwenstein, dem Direktor der Universitäts-HNO-Klinik und Sprecher des Zentrums für Neurosensorik – klangen keine hölzernen Phrasen an, sondern es wurden die ausgezeichneten Beziehungen und die geradezu freundschaftliche Umgangsweise miteinander deutlich. Dies ist auch daran zu erkennen, dass Augenklinik und HNO-Klinik seit 2011 gemeinsam im Zentrum für Neurosensorik der Universität arbeiten. Prof. Dr. med. Claus Cursiefen, Direktor der Universitätsaugenklinik Köln, überbrachte als Generalsekretär der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) die Glückwünsche dieser Institution, würdigte die Verdienste der Tübinger Universitätsaugenklinik ganz allgemein und innerhalb der DOG. Bei dieser Gelegenheit verriet er auch, sich als junger Mediziner bei Prof. Zrenner um eine Medizinalassistentenstelle beworben zu haben, letztlich aber dann doch in Erlangen gelandet zu sein.
„Wir blicken mit Stolz auf 150 Jahre universitäre Augenheilkunde in Tübingen – und mit Neugier auf das, was kommt“, so Prof. Dr. med. Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Ärztlicher Direktor der Augenklinik. „Unser Ziel war und ist es, Sehvermögen zu erhalten oder wiederherzustellen – durch exzellente Medizin, intensive Forschung und engagierte Aus- und Weiterbildung. Die gemeinsamen Fortschritte von Institut und Klinik der letzten Jahrzehnte – von der Netzhautimplantation bis zur Gen- und Zelltherapie – waren dabei Meilensteine für viele Betroffene.“
„Die Augenheilkunde ist ein Paradebeispiel dafür, wie Forschung und klinische Anwendung Hand in Hand gehen können“, so Prof. Dr. rer. nat. Marius Ueffing, Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde. „Unsere Arbeit in Tübingen zeigt, dass Grundlagenforschung unmittelbar zur Entwicklung neuer Therapien führt – Therapien, die weltweit Patientinnen und Patienten zugutekommen. Dieses Jubiläum ist für uns deshalb nicht nur Rückblick, sondern auch Ansporn für die Zukunft.“
E. Zrenner hielt in Vorfeld des Symposiums auch seine Abschiedsvorlesung: Er, der weltweit vernetzte Wissenschaftspromotor und leidenschaftliche Forscher war zuletzt (seit 2013) als Seniorprofessur für Augenheilkunde am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften tätig. Prof. Zrenner ist einer der Pioniere in der Entwicklung von subretinalen Mikrochips bei Blinden und anerkannter Experte für degenerative Erkrankungen der Netzhaut. In seiner Vorlesung zeigte er anhand der Entwicklung des Chips auf, wie spannend und begeisternd Forschung sein kann, dass man aber dabei auch stets mit Rückschlägen oder Misserfolgen rechnen muss. Erfolge könnten in unserer Zeit nicht mehr im stillen Kämmerchen erreicht werden, sondern nur in der Gruppe und interdisziplinär. Forschung muss auch systematisch gefördert werden, was E. Zrenner am Beispiel der von ihm 2014 gegründeten gemeinnützigen Stiftung für Medizininnovationen verdeutlichte.
Augenheilkunde wird an der 1477 Eberhard-Karls-Universität in Tübingen schon lange betrieben. Als erster wird sie wahrscheinlich David Burkhard Mauchard, Ordinarius für Anatomie und Chirurgie von 1728 bis 1751, gelesen und als wissenschaftliches Fach eingeführt haben. Die erste Universitätsaugenklinik existiert aber erst seit 1875, als das Königreich Württemberg die bis dahin private Augenklinik von Albrecht Eduard Nagel (1833-1895) übernahm, der ein Jahr zuvor zum ersten Ordinarius für Augenheilkunde in Tübingen ernannt worden war und schließlich die endgültige Emanzipation der Augenheilkunde von der Chirurgie und ihre Etablierung als eigenständige, wissenschaftliche Disziplin in Tübingen erreicht hat.
