Bei der Hauptversammlung des Hartmannbundes am 1. Novemberwochenende 2025 bestätigten die Delegierten den Vorsitzenden Dr. med. Klaus Reinhardt laut dem Berufsverband der Ärztinnen und Ärzte „mit überwältigender Mehrheit“ (77 von 90 Stimmen) in seinem Amt. Der Bielefelder Facharzt für Allgemeinmedizin war von 2009–2011 stellvertretender Vorsitzender und hat das Amt des Vorsitzenden seit dem Jahr 2011 inne. Laut eigenen Angaben hat der Hartmannbund, der sich für die berufs- und gesundheitspolitischen Interessen aller Ärzte, Zahnärzte und Medizinstudenten in Deutschland einsetzt, aktuell über 70.000 Mitglieder und gilt als wichtigste Interessenvertretung der ärztlichen Berufspolitik. Daneben ist K. Reinhardt u.a. seit 2019 auch Präsident der Bundesärztekammer als Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung und seit 2023 Vorstandsmitglied des Weltärztebundes.
Bei der Hauptversammlung des Hartmannbundes, die unter dem Motto „Muss sich die Praxis neu erfinden?“ stand, thematisierte K. Reinhardt in seiner Rede den Zustand der sozialen Sicherungssysteme. Diese gerieten durch Rezession, Rückstände in der Infrastruktur, Fachkräftemangel, nötige Investitionen in die Landesverteidigung sowie Nachteile im globalen Wettbewerb zunehmend unter Druck. „Mehr Geld ins System wird es deshalb nicht geben“, so K. Reinhardt, weshalb es künftig vor allem darum gehen müsse, vorhandene Ressourcen effizienter einzusetzen. Weder die Krankenhaus- noch die Notfallreform oder die Reform des Primärversorgungssystems würden zu Einsparungen führen, so der Vorsitzende weiter. In diesem Sinne forderte K. Reinhardt außerdem Abgaben auf Tabak und Alkohol sowie eine bessere Prävention.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, die als Gast bei der Hauptversammlung erschien, sprach ebenfalls von einem großen Handlungsdruck. Sie bat um Unterstützung bei der Umsetzung der Krankenhausreform, betonte die Wichtigkeit der geplanten Apothekenreform, mahnte einen dringend nötigen Bürokratieabbau an und versprach ein Gesetz, mit dem Gesundheitspersonal und Rettungskräfte besser geschützt werden sollen. Das geplante Primärarztsystem nannte sie einen Paradigmenwechsel, der je nachdem mit Boni oder Sanktionen einhergehen könne.
