Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, hat Anfang Oktober 2025 den Vorschlag gemacht, innerhalb des geplanten Primärarztsystems einen „Facharzttarif“ einzuführen: Patienten, die ohne Überweisung ihres Hausarztes bzw. ohne digitale Ersteinschätzung direkt zu einem Facharzt gehen möchten, sollten bei ihrer Krankenkasse einen Facharzttarif mit Zuzahlung von 200 bis 350 Euro pro Jahr wählen können. Innerhalb dieses Tarifes sollten sie weiterhin die Wahlfreiheit haben und auch zukünftig Fachärzte ohne Überweisung aufsuchen können. Mit den Mehreinnahmen sollten die zusätzlichen Termine außerhalb des Budgets voll vergütet werden, so der Vorschlag von A. Gassen. Aktuell werden die fachärztlichen Leistungen durchschnittlich zu 80% vergütet.
Ob das Primärarztsystem eingeführt wird, sei aktuell noch nicht klar, so A. Gassen. Notfallreform und Krankenhausänderungsgesetz seien dringlicher, zudem müsse der personelle Engpass in der Vertragsärzteschaft angegangen werden. Ein verpflichtendes Primärarztsystem für über 70 Millionen Versicherter sei bei den personellen Engpässen aktuell kaum umsetzbar.
