Eine aktuelle Umfrage des Hartmannbundes zeigt einmal mehr: Die Arbeitsbelastung und die Arbeitszeiten für Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung sind weiter problematisch. An der Umfrage, die in den letzten Wochen durchgeführt wurde, nahmen fast 500 junge Ärzte teil. Rund 41% der Befragten können – trotz der bestehenden EU-Gesetzgebung zur verpflichtenden Arbeitszeiterfassung – ihre Überstunden nicht oder nur eingeschränkt dokumentieren. Dies liegt zum einen an den zur Verfügung stehenden digitalen System zur Eingabe der Arbeitszeiten, zum anderen schlicht an den Vorgesetzten. In Freitextantworten der Befragten wurde immer wieder Sätze wie: „Wer Überstunden macht, ist nicht auf Facharztniveau und bekommt kein Zeugnis vom Chef“ zitiert. Etwa 70% der Befragten gaben zudem an, die gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten nicht einhalten zu können. Hier sei ein Umdenken dringend notwendig, so Dr. med. Caroline Rinkel, Sprecherin des Assistenzärzteausschusses des Hartmannbundes. Der bestehende Personalmangel können nicht durch unbezahlte Überstunden ausgeglichen werden, sondern erfordere effizientere Systeme, optimierte Arbeitsweise und schlicht mehr Personal.
Das zeigen auch die Antworten der Befragten zur Personalsituation bei ihrem Arbeitgeber: Diese bezeichneten über 40% als mangelhaft, über 55% gaben an, dass es bei ihnen unbesetzte ärztliche Stellen gäbe. Bei mehr als 11% der Assistenzärzte fehlt ein ärztlicher Ansprechpartner für fachliche Fragen. 36% der Befragten hat bereits über einen Berufswechsel nachgedacht. Gründe hierfür sind neben dem Personalmangel die hohe Dienstbelastung, zu wenig Freizeit, wenig Zeit für die ärztliche Weiterbildung und mangelnde Wertschätzung. 54% der Befragten gaben an, grundsätzlich lieber in Teilzeit arbeiten zu wollen.
Auch bei der Digitalisierung sehen viele der Assistenzärzte deutlichen Verbesserungsbedarf: So geben 70% an, dass eine Doppeldokumentation in ihrem Arbeitsalltag üblich sei. Über 90% benannten Probleme mit der IT-Infrastruktur als alltäglich, in die Prozessoptimierung sind über 83% nicht eingebunden.
Jan Baumann, ebenfalls Sprecher des Ausschusses, sieht hier klare Versäumnisse bei den Arbeitgebern, die die technische Ausstattung in vielen Kliniken nicht vorangetrieben hätten. Die Arbeitsbedingungen seien nicht mehr zeitgemäß, es brauche funktionierende Arbeitszeitmodelle und eine riesige Veränderung bei der Digitalisierung, damit junge Ärztinnen und Ärzte auch nach Erreichung des Facharztes gerne in den Kliniken weiterarbeiten würden.
