Erste allogene Stammzelltherapie zur Behandlung von komplexen perianalen Fisteln bei Morbus Crohn

Die allogene mesenchymale Stammzelltherapie Darvadstrocel (Alofisel®) hat im März 2018 die Zulassung zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit perianalen Fisteln bei nicht-aktivem/gering aktivem luminalem Morbus Crohn erhalten, wenn die Fisteln auf mindestens eine konventionelle oder biologische Therapie unzureichend angesprochen haben [1]. Für Patienten mit komplexen perianalen Fisteln, die als belastende und die Lebensqualität massiv einschränkende Komplikation bei Morbus Crohn auftreten, bedeutet die Zulassung eine vielversprechende Behandlungsalternative zu den gängigen medikamentösen und chirurgischen Therapieoptionen. In der Zulassungsstudie ADMIRE-CD zeigte Darvadstrocel eine signifikante klinische Wirksamkeit bei günstigem Risikoprofil [2]. Im Rahmen der Launch-Pressekonferenz am 4. Mai 2018 beleuchteten Experten die Herausforderungen bei der konservativen sowie chirurgischen Behandlung des perianal fistulierenden Morbus Crohn, die Notwendigkeit eines interdisziplinären Therapiekonzeptes und erläuterten anhand der Studienpräsentation den Stellenwert der neuen Stammzelltherapie Darvadstrocel.
Eine besondere therapeutische Herausforderung bei Crohn-Patienten sind perianale Fisteln – pathologische Verbindungen zwischen Darm und perianaler Haut. Sie sind eine den Patienten erheblich belastende Komplikation. Perianale Fisteln können bei bis zu 28 Prozent der Crohn-Patienten innerhalb der ersten 20 Jahre des Krankheitsverlaufs auftreten [ 2, 6] teilweise auch als Erstmanifestation [7]. Hierbei müssen Crohn-assoziierte perianale Fisteln von perianalen Fisteln, die aufgrund einer kryptoglandulären Entzündung entstanden sind, abgegrenzt werden.

Kombination aus chirurgischer und medikamentöser Behandlung erzielt dabei höhere Heilungsraten als Einzeltherapie
Beim Morbus Crohn gelten 70  bis 80 Prozent der perianalen Fisteln als komplex [2]. Sie sind schwer zu therapieren und weisen eine hohe Rezidivrate von 60 bis 70 Prozent nach Beendigung der medikamentösen Behandlung (konventionelle Therapie sowie TNF-Inhibitoren) auf. Auch habe eine interdisziplinäre Zusammenarbeit einen hohen Stellenwert bei der optimalen Fistelbehandlung [10]: So sollten neben dem Gastroenterologen, dem Viszeralchirurgen oder dem Koloproktologen auch die Physiotherapie und die Pflege zur ganzheitlichen Patientenbetreuung mit einbezogen werden, so Priv.-Doz. Dr. Felix Aigner (Berlin). Neben konservativen Optionen wie Antibiotika, Thiopurinen und Biologika (TNF-Inhibitoren oder Integrin-Antagonist) zur Behandlung der Grund­erkrankung stehe eine breite Palette an chirurgischen Optionen je nach Ausprägung und Fistelverlauf zur Verfügung. Die Kombination aus chirurgischer und medikamentöser Behandlung von komplexen perianalen Fisteln erzielt dabei höhere Heilungsraten als eine alleinige chirurgische oder medikamentöse Therapie [11]. Zudem solle das oberste Ziel des „tailored approach“ der Kontinenzerhalt sein. Hier sei Darvadstrocel eine vielversprechende, sphinkterschonende Therapieoption.

Literatur: 1. Fachinformation Darvadstrocel (Alofisel®), Stand Mai 2018/ 2. Panés J, et al (2016) Lancet 388: 1281–1290/ 3. Preiß JC, et al (2014) Z Gastroenterol 52: 1431–1484/ 4. Aguilera-Castro L, et al (2017) Ann Gastroenterol 30: 33–44/ 5. Kucharzik T, et al (2015)  Dtsch Med Wochenschr 140: 194–197/ 6. Gionchetti P, et al (2017) J Crohns Colitis 11: 135–149/ 7. Panes J, Rimola J (2017) Nat Rev Gastroenterol Hepatol 14: 652–664 / 8. Siegmund B, et al (2016) J Crohns Colitis 10: 377–386 / 9. Marzo M, et al (2015) World J Gastroenterol 21: 1394–1403

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