EKG-Messungen bei Mamma-Implantat-Trägerinnen unsicher

10.07.2017

Mamma-Implantate können bei Elektrokardiogramm (EKG)-Untersuchungen zu falschen Diagnosen führen. Eine Untersuchung, die darauf hindeutet, haben Forscher des "Grace Hospital" in Monaco beim Kongress der "European Heart Rythm Assosiaction" auf dem "Cardiostorm 2017" Ende Juni 2017 in Wien vorgestellt. F

ür ihre Untersuchungen führte ein Team von Kardiologen bei 50 Frauen ohne Herzproblemen eine EKG-Untersuchung durch. 28 der untersuchten Frauen trugen Mamma-Implantate. Die EKG-Aufzeichnungen wurden anonymisiert von jeweils zwei Kardiologen ausgewertet. Während die Frauen ohne Mamma-Implantate – bis auf eine Ausnahme – richtig diagnostiziert wurden, wurden ein hoher Anteil der abgeleiteten Elektrokardiogramme der Implantat-Trägerinnen fälschlicherweise (38 bzw. 57%) als auffällig eingestuft. So wurden häufig T-Wellen (Inversion V1 zu V4) und ST-Senkungen, die auf eine insuffiziente Durchblutung des Myokards und somit auf einen Herzinfarkt hindeuten können, missinterpretiert.

Der Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Prof. Dr. med. Martin Borggrefe vom Universitätsklinikum Mannheim, bestätigte die Ergebnisse der Studie und äußerte sich gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt: "Vor allem beim akuten Koronarsyndrom mit oder ohne EKG-Veränderungen ist die Differenzialdiagnose in der Tat erschwert. Hingegen kann man Herzrhythmusstörungen auch bei Frauen mit Brustimplantat im EKG unverändert gut erkennen". Aus diesem Grund empfiehlt er Patientinnen, ihren Arzt darüber zu informieren, wenn sie ein Implantat tragen. Bei Trägerinnen von Brustimplantaten sollte die Diagnose mit einer Messung des kardialen Troponins abgesichert werden.

Zudem sollten Brustkrebspatientinnen engmaschiger kontrolliert werden. "Selbst noch einige Jahre nach einer erfolgreichen Brustkrebstherapie können kardiologische Probleme aufgrund der Bestrahlung auftreten." Dies lasse das Risiko für eine Herzschwäche oder eine Koronarstenose steigen. Empfehlenswert sei daher alle fünf Jahre ein Belastungs-EKG und einen Herz-Ultraschall durchzuführen. Der Verantwortliche Kardiologe der Studie Dr. Sok-Sithikun Bun empfiehlt, vor dem Einsetzen von Mamma-Implantaten ein Vergleichs-EKG anfertigen zu lassen.

zurück