MB: 19% der Ärzte überlegen, ihre ärztliche Tätigkeit aufzugeben

11.07.2017

Der Marburger Bund (MB) hat Anfang Juli 2017 die Ergebnisse seiner bundesweiten Online-Mitgliederbefragung "MB-Monitor 2017" bekanntgegeben. Sie wurde vom Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) mit insgesamt 6200 angestellten Ärzten im April 2017 durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Befragten sich insbesondere mehr Zeit für Privatleben und Familie, Abbau von Bürokratie und mehr Personal im ärztlichen und pflegerischen Dienst wünschen. So erklärten etwa zwei Drittel (66%) der Umfrageteilnehmer, ihnen stünde aufgrund der schlechten Personalsituation sowie der zunehmenden Verwaltungstätigkeit nicht genügend Zeit für die Behandlung ihrer Patienten zur Verfügung.

Insgesamt beurteilten 46% ihre Arbeitsbedingungen "mittelmäßig", 19% als "schlecht" und 5% als "sehr schlecht". Als "gut" bewerteten 26% ihre Arbeitsbedingungen, als "sehr gut" lediglich 4% der Befragten. Etwa jeder fünfte Befragte (19%) gab zudem an, dass er sich mit dem Gedanken trage, die ärztliche Tätigkeit aufgrund der hohen Arbeitsbelastung, des ökonomischen Drucks, der Personaleinsparungen sowie der ausufernden Bürokratie ganz aufzugeben.

96% der Befragten wünschen sich deutlichen Bürokratieabbau

Bei der Einschätzung der Zeit, die für Verwaltungstätigkeiten wie Datenerfassung, Dokumentation und Organisation aufgewendet werden müssen, gaben 26% der Ärzte an, hierfür über 3 Stunden täglich einzusetzen, 29% schätzen diese Zeit auf zwei bis drei Stunden täglich und 33% gaben ein bis zwei Stunden pro Tag an. Lediglich 11% gaben weniger als eine Stunde pro Tag an. Der Abbau von Bürokratie hat deshalb auch für die meisten Ärzte eine hohe Priorität: Für 70% aller Krankenhausärzte ist dies "sehr wichtig", für 26% sogar "am wichtigsten".

Überwiegende Mehrheit hält Stellenausbau für sehr wichtig

Etwa drei Viertel der Befragten hält den Stellenausbau in der Pflege für "sehr wichtig" (52%) oder "am wichtigsten" (23%). Auch beim ärztlichen Personal sollten nach Meinung der Mehrheit mehr Stellen geschaffen werden. So sehen 49% der Befragten dies als "sehr wichtig" an, für 23% ist dieser Punkt sogar "am wichtigsten".

90% der Ärzte für maximal 48 Stunden pro Woche

Die deutliche Mehrheit (90%) der befragten Ärzte gab an, sich eine geringere Wochenarbeitszeit von maximal 48 Wochenstunden zu wünschen. Derzeit sind 40% der Umfrageteilnehmer zwischen 49 und 59 Wochenstunden im Einsatz, etwa 20% arbeiten durchschnittlich 60 bis 80 Stunden in der Woche. Auch ungeplante dienstliche Inanspruchnahmen – wie außerplanmäßige Einsätze oder unzuverlässige Dienstplangestaltung – erschweren eine Work-Life-Balance enorm.

Die detaillierten Ergebnisse der Umfrage sind auf der Internetseite des Marburger Bunds veröffentlicht: www.marburger-bund.de/monitor

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