Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung hat Mitte Mai 2026 in Hamburg drei Forschende für ihre Arbeiten zur KI-gestützten Krebschirurgie, zur Schmerzforschung und zur Diagnostik seltener Erkrankungen mit Preisgeldern von insgesamt über 500 000 Euro ausgezeichnet. Dabei ging der Jung-Karriere-Förderpreis 2026 an die Ärztin und Wissenschaftlerin Dr. med. Fiona R. Kolbinger, PhD (30), aus der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden. An der von Prof. Dr. med. Jürgen Weitz geleiteten Institution arbeitet sie seit 2019 – und somit direkt an der Schnittstelle von Chirurgie, Datenwissenschaft und Künstlicher Intelligenz. Ihr Thema ist die KI in der Krebschirurgie und ihr Forschungsprojekt analysiert Behandlungsergebnisse aus der onkologischen Rektumchirurgie mithilfe kausaler Modelle. Ziel ist es, Ursachen für Komplikationen zu erkennen und Operationen präziser zu planen. Ihre Forschung soll dazu beitragen, Eingriffe sicherer zu machen und die Versorgung zu verbessern. Die in Bonn geborene Wissenschaftlerin Fiona R. Kolbinger hat in Heidelberg studiert, wo sie 2019 mit einer Arbeit aus dem DKfZ promoviert wurde. Sie verbindet klinische Praxis mit datengetriebener Forschung und internationaler Zusammenarbeit. Die Jung-Stiftung unterstützt sie dafür mit dem Förderpreis 2026, dotiert mit 210 000 Euro. Kolbingers wissenschaftliche Arbeit ist seit Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Else-Kröner-Fresenius Zentrum (EKFZ) für Digitale Gesundheit an der TU Dresden und der Arbeitsgruppe um Prof. Dr.-Ing. Stefanie Speidel am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) eng mit den interdisziplinären Dresdner Forschungseinrichtungen verbunden. 2026 wurde Kolbinger in Dresden erneut promoviert und erwarb ihren Ph.D.-Titel. Seit 2023 leitet Kolbinger als Forschungsprofessorin eine Arbeitsgruppe u.a. an der Purdue University, eine der führenden ingenieurwissenschaftlichen US-amerikanischen Universitäten, wo Medizin, Datenwissenschaft und Ingenieurwissenschaft eng kooperieren. Kolbingers Ansatz in Forschung und Leben folgt einer klaren Haltung: „Nur weil noch niemand einen bestimmten Weg gegangen ist, heißt das nicht, dass er nicht zum Ziel führt.“
Weitere Jung-Preisträger für Medizin 2026
Der Jung-Preis für Medizin 2026 wurde an die Professorin für Pharmakologie Rohini Kuner (55) von der Universität Heidelberg für ihre Schmerzforschung verliehen. Sie forscht, wie sich das Nervensystem unter anhaltenden Reizen verändert und dadurch chronischer Schmerz entsteht. Ihre Arbeiten zeigen, wie Schmerz im Körper gespeichert und verstärkt wird, woraus sich neue Ansatzpunkte für gezielte, langwirksame Therapien ergeben. Der Preis ist mit 300 000 Euro dotiert. – Die Jung-Medaille für Medizin in Gold 2026 hat der japanische Molekularbiologe Professor Taroh Kinoshita (74) aus Osaka erhalten. Kinoshita prägte über Jahrzehnte die molekularbiologische Forschung zur Aufklärung zentraler Mechanismen der GPI-Biosynthese. Der Preis ist mit 30 000 Euro zur Förderung eines Nachwuchsforschenden verbunden.
50 Jahre gibt es die Jung-Preise für Medizin
Die ausgezeichneten Forschungsarbeiten, erfreulicherweise immer wieder auch aus der Chirurgie, haben das gemeinsame Ziel der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten. Die 1967 durch den Hamburger Reeder Ernst Jung gründete Stiftung vergibt ihre Preise alljährlich für herausragende Forschung mit klinischer Relevanz. Der Preis wurde 1976 erstmals verliehen.
