Geistige Trägheit durch KI?

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat untersucht, welche Folgen der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) auf das Lernen hat. Laut dem Bericht OECD Digital Education Outlook 2026 können Schülerinnen und Schüler, die in der Vorbereitung auf eine Prüfung generische KI-Chatbots nutzen, durchaus davon profitieren. In einer türkischen Studie mit Schülern der Sekundarstufe schnitten diejenigen, die sich mithilfe der KI vorbereiteten, bei Übungsaufgaben bis zu 48% besser ab als andere Schüler.

In der realen Prüfungssituation, in der alle ohne KI auskommen mussten, zeigte sich dann aber ein anderes Bild. Hier lieferten die Schüler, die sich ohne KI vorbereitet hatten, bis zu 17% bessere Ergebnisse ab. Die Autorinnen und Autoren der Studie schließen daraus, dass Wissen, das man sich ohne Hilfe von KI erarbeitet hat, tiefer verankert und damit nachhaltiger ist. Wer dagegen lieber die KI nutze, anstatt selbstständig zu denken, sei anfälliger für die sogenannte „Metacognitive Laziness“. Gemeint ist damit die geistige Trägheit, die einsetzt, wenn Menschen lieber auf schnell verfügbare oberflächliche Lösungen setzen, als Anstrengung in eigenes Denken zu investieren. Die Autoren betonen aber, dass es je nach genutzter KI große Unterschiede geben kann. KI, die wie intelligente Tutorensysteme speziell für Bildungszwecke entwickelt werde, könne durchaus langfristige Lernfortschritte ermöglichen.