Horn: Niederösterreichisches Landesklinikum entlässt leitenden Unfallchirurgen nach intolerabler Nazi-Parole fristlos

Das Landesklinikum Horn. © NÖ LGA

Im April 2024 erhielt das Landesklinikum Horn in Niederösterreich für seine Unfallchirurgie einen regulären neuen Chefarzt – man ging in der Öffentlichkeit davon aus, dass nach einer längeren unruhigen Phase, speziell im Herbst 2023, bis zur Anstellung des neuen Primars, ausgelöst durch die frühere skandalöse Bemerkung eines Vorgängers, wieder Ruhe eingekehrt sei. Damals hatte ein Primar mit einer unflätigen Bemerkung über einen neunzigjährigen Patienten den handfesten Skandal ausgelöst, der im Weggang eines Chefarztes und einem zweiten rund einjährigen Kommissariat in der Führung der Abteilung endete! Auch dies löste damals große Empörung aus – der betroffene Mediziner ging später in Pension. Dass das Klinikum Horn – eines der wenigen bleibenden Spitäler im Waldviertel – nun erneut durch die hochproblematische Aussage eines Chefarztes in die letztlich österreichweiten Schlagzeilen gerät, sorgt für zusätzlichen politische und öffentlichen Ärger. Die interne Aufarbeitung der aktuellen Causa hat erst begonnen. Der neue Skandal wurde durch einen anonymen Leserbrief in die Regionalpresse getragen. Auch der neue Chefarzt soll sich verwerflich geäußert haben. In einer Mitarbeiterbesprechung soll er in Anspielung auf das NS-Vernichtungslager über eine übergewichtige Patientin gesagt haben, dass „Nur mehr Auschwitz hier helfen“ würde. Für Mitarbeiter stellte dies einen Bruch menschlicher und beruflicher Grundregeln dar. Dem Primar wird auch vorgeworfen, „aggressiv und unprofessionell“ aufgetreten zu sein – er soll Patienten sowie Personal angeschrien und damit ein „Klima der Angst und Verunsicherung“ geschaffen haben, heißt es weiter in dem Leserbrief. Teile des Pflegeteams hätten sich geweigert, mit dem Chefarzt auf Visite zu gehen. Die Unfallchirurgie in Horn erlebt jetzt den eigentlich dritten Primarwechsel innerhalb der letzten fünf Jahre. 2022 wurde ein vom Klinikum mit vielen Vorschusslorbeeren hinsichtlich hoher wissenschaftlicher Kompetenz und Führungserfahrung ausgestatteter neuer Professor bestellt, das Gastspiel hielt gerademal rund ein Jahr an und im Frühjahr 2023 übernahm OA Dr. Harald Schuh zum zweiten Mal seit 2021 die interimistische Leitung. Im April 2024 wechselte die reguläre Leitung erneut. Der Professor war zuvor nur gut ein Jahr als Chefarzt geblieben. Jetzt wurde auch sein Nachfolger entlassen – dieser besetzte den Posten gerademal anderthalb Jahre, war aber seit langer Zeit davor schon in Horn als Oberarzt tätig. Die Landesgesundheitsagentur bestätigt die sofortige Kündigung. In dem schriftlichen Statement heißt es, dass nach Bekanntwerden des Vorfalls am 5.12.2025 die betroffene Person unverzüglich freigestellt wurde. Nach dienstrechtlichen Erhebungen über das anschließende Wochenende hinweg wurde das Dienstverhältnis mit sofortiger Wirkung beendet. Die interimistische Leitung hat seit 10. Dezember 2025 OA Dr. Petr Smid inne. Die abschließende Stellungnahme des Klinikums:

„Derartige Äußerungen stehen im direkten Widerspruch zu unseren Grundwerten, sind aufs Schärfste zu verurteilen und werden von uns in keiner Weise toleriert.“

Man betont den Anspruch auf ein respektvolles, wertschätzendes und rechtskonformes Arbeitsumfeld. Vor der aktuellen Katastrophenmeldung hat man allerdings noch am 24. November 2025 den Primar der Unfallchirurgie in einer Pressemitteilung gefeiert und die neueste Entwicklung am Klinikum in Horn unbewusst (?) ad absurdum geführt. Der Chefarzt hatte das „Leadership-Programm der NÖ Landesgesundheitsagentur“ (NÖ LGA) erfolgreich abgeschlossen. Dieses Programm für Führungskräfte innerhalb der NÖ LGA vermittle praxisorientierte Kompetenzen in den Bereichen Führung, Kommunikation, Veränderungsmanagement und strategische Entwicklung. Ziel des Programms sei es, die Führungspersönlichkeiten in den Kliniken und Pflege- und Betreuungszentren zu stärken und sie in ihrer verantwortungsvollen Rolle als Führungskraft und Entscheidungsträger zu unterstützen. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Niederösterreich sei dabei besonders wertvoll gewesen, sagte der Primarius über seine Teilnahme. Mit der erfolgreichen Absolvierung des Programms unterstreiche der Primarius nicht nur sein Engagement für kontinuierliche Weiterentwicklung, sondern auch seine Verantwortung, gemeinsam mit seinem Team eine moderne, patientenorientierte und zukunftsweisende Medizin im Landesklinikum Horn-Allentsteig zu gestalten, lautete das Resümee der Geschäftsführung.