Prof. Dr. med. Dietmar F. Wolter, der rund ein Vierteljahrhundert als Chef der Unfallchirurgie in Hamburg am St. Georg und am BG-Unfallkrankenhaus Boberg die Geschicke seines Faches führte und beeinflusste, ist am 22. Mai 2026 an seinem Wohnort in Hoisdorf bei Hamburg verstorben. Wolter wurde am 27. September 1941 im oberschlesischen Klosterbrück/Oppeln geboren. Er studierte in Bonn, München und Tübingen, wo er 1967 promoviert wurde. Seine chirurgischen Kenntnisse und Fertigkeiten erwarb er bei Prof. Dr. med. Martin Allgöwer in Basel und bei Prof. Dr. med. Caius Burri in Ulm. 1976 habilitierte er sich in Ulm und wurde dort später zum apl. Professor ernannt. 1977 wurde er mit 37 Jahren Chefarzt der Unfallchirurgie im St. Georg-Krankenhaus Hamburg. Er gründete 1980 die Paul-Sudeck-Gesellschaft und 1987 die Deutsche Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie. 1986 war D.F. Wolter Vorsitzender der 138. Tagung der Norddeutschen Chirurgen in Hamburg [1]. Wiederholt lud er Gawriil A. Ilisarow nach Hamburg ein und schickte seine Oberärzte zu ihm nach Kurgan in Sibirien. Dadurch wurden u.a. die Ilisarow-Methode und der Ringfixateur in Deutschland bekannt. 1990 wurde Wolter zum Ärztlichen Direktor des BG-Unfallkrankenhauses Hamburg berufen. Als Chefarzt leitete er dort Abteilung für Unfall-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie bis 2002. 1990 gründete er die Deutsche Ilisarow-Gesellschaft und machte das Unfallkrankenhaus zum Referenzzentrum für das Ilisarow-System. Verschiedene Unternehmen für Medizintechnik hat er ins Leben gerufen und ebenfalls 2005 eine Arbeitsgemeinschaft für winkelstabile Osteosynthese mit Chirurgen, Biomechanikern, Physikern und Ingenieuren. Als genialer Geist hielt Wolter zahlreiche Patente, auch auf nichtmedizinische Erfindungen. Auch die 1998 gegründete Zeitschrift „Trauma und Berufskrankheit“ geht auf seine Initiative zurück. Wolter war sehr kunstbeflissen und konnte auch als Maler eine hohe Beachtung finden.
1. Döhler R, et al (2017) Chirurgie im Norden. Zur 200. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Chirurgen in Hamburg 2017. Kaden, Mannheim, S. 352–353. ISBN 978-3-942825-67-2
