Während der Anteil der kurzsichtigen Kinder und jungen Erwachsenen vor allem in Ostasien kontinuierlich steigt und heute bei bis zu 90% liegt, ist dieser Trend in Deutschland nicht zu beobachten. Das hat eine Studie eines Forschungsteams um Prof. Dr. med. Wolf A. Lagrèze von der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg ergeben, die kürzlich im Fachmagazin „Frontiers in Public Health“ veröffentlicht wurde.
In Deutschland und anderen europäischen Ländern sind demnach rund 40% der Kinder und Jugendlichen myop, wobei sich dieser Wert seit Jahrzehnten stabil hält. „Entgegen der weit verbreiteten Annahme einer sich rapide beschleunigenden globalen Epidemie der Myopie konnten wir zwischen 2001 und 2025 keinen Anstieg der myopen Brillenverordnungen feststellen“, heißt es in der Studie. Für diese analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund 1,25 Millionen Brillenverordnungen von rund 437.700 Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die im entsprechenden Zeitraum zwischen 3 und18 Jahre alt waren. Als kurzsichtig galten Werte ab –0,50 dpt oder mehr.
Die weit höheren Myopiezahlen im ostasiatischen Raum schreiben die Forscherinnen und Forscher v.a. der extremen und frühen Intensität der schulischen Ausbildung zu, die kaum Zeit für Aktivitäten im Freien lasse. Daneben widerlegten die Wissenschaftler in ihrer Metaanalyse auch die durch vorrangig asiatische Studien genährte Befürchtung, die Corona-Pandemie könnte die Kurzsichtigkeit durch die wachsende Digitalisierung befeuert haben.
