Die langjährige Chefärztin der Chirurgischen Abteilung am Kreiskrankenhaus Münsingen, Dr. med. Luise Kalmbach, konnte in diesen Tagen ihr 90. Lebensjahr vollenden. Kalmbach prägte das Münsinger Krankenhaus über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg und hat dessen Renommee weit über die Region hinaus gestärkt. Am 7. Juli 1935 in Duisburg geboren und aufgewachsen, machte sie 1955 ihr Abitur und studierte dann in Münster und München, wo sie 1961 zum Dr. med. promoviert wurde. 1961 begann die junge Ärztin ihre Karriere in Stuttgart, wo sie an verschiedenen Kliniken tätig war, und machte anschließend ihre chirurgische Facharztausbildung im Bürgerhospital Stuttgart-Feuerbach bei Dr. med. Gustav Schaaff, einem Sauerbruch- und Enderlen-Schüler. Schaaff, ein hervorragender Chirurg, hat sie geprägt – bei ihm war sie zuletzt noch ein Jahr als Oberärztin tätig, ehe er 1970 in den Ruhestand trat. Ihr Chef weckte in ihr auch die Liebe zur Handchirurgie und ermöglichte ihr Studienreisen zu Erik Moberg nach Göteborg und zu einem handchirurgischen Kongress von Marc Iselin in Rom. Später konnte sie über ein halbes Jahr bei Dieter Buck-Gramcko in Hamburg-Bergedorf als Gastärztin tätig sein. Ab 1969 versorgte sie alle schweren Handverletzungen in Feuerbach und auch während ihrer zehnjährigen Oberarzttätigkeit in Schwäbisch Hall, inklusive mikrochirurgischem Nerventransfer. In Schwäbisch Hall widmete sie sich vorwiegende der Struma- und Bauchchirurgie. 1981 wurde sie aus einer 26-köpfigen Bewerberrunde zur chirurgischen Chefärztin in Münsingen gewählt, wo sie bis Ende Juni 2000 tätig war. Schon während ihrer Facharztausbildung hat sie einen Tropenkurs am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut absolviert, sie hegte den Wunsch Missionsärztin zu sein – der Wunsch ging erst im Ruhestand in Erfüllung. Sie war zu vielen humanitären Einsätzen u.a. für die Hilfsorganisation Humedica in verschiedenen Regionen der Welt unterwegs, so in Kambodscha, im Irak nach dem 2. Golfkrieg, im Iran, im Sudan. Von dort hat sie einen schwerverletzten Jungen mit schwerer Oberschenkel-Schussverletzung und Osteomyelitis mitgebracht. In Stuttgart konnte sein Bein durch Professor Ulrich Holz gerettet werden. Nach dem Genozid in Ruanda war Luise Kalmbach dort ein halbes Jahr im Einsatz, auch handchirurgisch – hat viele Freunde gefunden und noch weitere fünf Reisen nach Ruanda unternommen. 2009 war sie mit dem BDC quer durch Vietnam unterwegs, um sich Krankenhäuser anzusehen. Ihre letzte caritative Reise führte sie nach Indonesien. Für Ehe und Kinder verblieb Luise Kalmbach leider keine Zeit, da sie in ihrer anfangs 160 chirurgische Betten zählenden Klinik neben den täglichen Diensten stets viele Nacht- und auch Sonntagsdienste absolvierte –zum Schluss umfasste die Abteilung noch 65 Betten. Beeinträchtigt durch einen Schlaganfall lebt die passionierte Chirurgin, geistig rege in ihrem eigenen Haus. Unterstützt wird sie dabei von einem Ehepaar, das sich liebevoll um sie kümmert.
