Regensburg: Helga-Reifert-Preis für Johannes Falter und Benedikt Wagner

Benedikt Wagner und Johannes Falter bei ihrer Auszeichnung, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Helga-Reifert-Stiftung, Dr. med. Bernward Gall, und den Klinikchefs Prof. Dr. med. Hans J. Schlitt, Chirurgie, und Prof. Dr. med. Nils Ole Schmidt, Neurochirurgie (v.re.) © UKR/M. Meyer

Für ihre Arbeiten zur experimentellen Krebsforschung wurden im Januar 2026 Dr. med. Dr. rer. physiol. Johannes Falter, B.Sc., Assistenzarzt der Klinik für Neurochirurgie, und Dr. med. Benedikt Wagner, Assistenzarzt der Klinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), mit dem renommierten Helga-Reifert-Preis ausgezeichnet. Der Preis ist mit jeweils 15 000 Euro dotiert. Die Helga-Reifert-Stiftung zeichnete die Regensburger Wissenschaftler Regensburg aus der experimentellen Krebsforschung aus, um diese langfristig zu unterstützen. Anliegen ist es, innovative Forschungsansätze zur Krebstherapie zu fördern, um die Ergebnisse zur klinischen Anwendung zu bringen. Die Stifterin Helga Reifert, gebürtige Leipzigerin, lebte seit den 1960er Jahren bis zu ihrem Tod 2022 in Regensburg. Der zweifach vergebene Preis wird seit 2002 alternierend an Forscher der Universitäten Leipzig und Regensburg vergeben.
Johannes Falter erhält den Preis für seine wissenschaftliche Arbeit zur Verbesserung postoperativer systemischer Therapien bei bösartigen Hirntumoren, sogenannten Glioblastomen. „Das Glioblastom bleibt trotz maximaler multimodaler Therapie eine tödliche Diagnose mit hoher Symptomlast, frühem Rezidiv und sehr begrenzter Überlebenszeit“, erklärt Johannes Falter. Bisher ist die präoperative Gabe von Dexamethason (DEX) zur symptomatischen Behandlung des peritumoralen Ödems, des angeschwollenen Hirngewebes im Bereich des Tumors, klinischer Standard. Mehrere Metaanalysen zeigen jedoch einen möglichen Überlebensnachteil bei DEX-behandelten Patienten. „Leider konnte der Zusammenhang bisher noch nicht geklärt werden. Mit meiner Forschungsarbeit möchte ich hierzu meinen Beitrag leisten, um die Zusammenhänge verstehen zu können und neue Therapieoptionen eröffnen.“ Von besonderer klinischer Bedeutung ist, dass das immunologische Mikromilieu – insbesondere in der postoperativ verbleibenden peritumoralen Zone am Rand der Resektionshöhle – durch die Tumorzellen des Glioblastoms entsprechend verändert ist, so dass Immunzellen den Tumor nicht bekämpfen können oder sogar das Tumorwachstum und -ausbreitung fördern. Die meisten bisherigen Untersuchungen am immunologischen Mikromilieu konnten die Tumor-assoziierten Veränderungen von den DEX-verursachten immunologischen Veränderungen nicht differenzieren. Die Arbeit stellt sich der Frage, welche immunologischen Mikromilieu-Veränderungen im Speziellen durch die präoperative DEX-Gabe entstanden sind und wie sie den Krankheitsverlauf relevant beeinflussen. Durch die Identifikation spezifischer pathomechanistischer Korrelate der perioperativen Kortikosteroidtherapie können letztlich auch die weitere immunonkologische Forschung und die Optimierung postoperativer, insbesondere immunologischer, Systemtherapien gefördert werden. 
Benedikt Wagner wurde für die Entwicklung eines innovativen Modells zur personalisierten Testung von Therapien bei Patienten mit Pankreaskarzinom ausgezeichnet. Im Fokus steht dabei die Isolierung zirkulierender Tumorstammzellen aus Patientenblut, die Generierung von Tumorsphären (dreidimensionale Zellaggregate aus diesen Tumorstammzellen) sowie die Etablierung von sog. CAM-Modellen, in denen diese Tumorsphären auf der Chorioallantoismembran (CAM) – einem 3D-In-vivo-Modell im Hühnerei – kultiviert wurden. Das Projekt entstand in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Prof. Dr. med. Christina Hackl (Chirurgie) und Prof. Dr. rer. nat. Silke Härteis (Anatomie). Es vereint chirurgische, zellbiologische und anatomische Expertise in einem translationalen Forschungsansatz. Das Modell ermöglicht eine rasche und patientennahe Testung individueller Chemotherapien und zielgerichteter Substanzen sowie die genauere Untersuchung von Tumorbiologie und Tumorigenese. Die Kombination aus einfacher Blutentnahme, Ex-vivo-Kultivierung und In-vivo-Testung erlaubt es, innerhalb weniger Tage erste Aussagen über das potentielle Therapieansprechen sowie biologische Eigenschaften des Tumors zu treffen. „Unsere Erkenntnisse wollen wir perspektivisch in die Entscheidungsfindung in Tumorboards einfließen lassen und die Grundlage für eine individualisierte Therapieempfehlung bei Pankreaskarzinomen unterstützen“, so Benedikt Wagner.